Ereignisse zum Thema: Jüdisches Köln

4. Januar 1888

In Köln kommt als Tochter des Hutfabrikanten Adolf Zirker eine spätere Stimme des politischen Journalismus zur Welt. Milly Zirker schreibt für das Berliner „8-Uhr-Abendblatt" und verfaßt für „Die Weltbühne" zahlreiche Beiträge, meist unter dem Pseudonym Johannes Bückler. Als Vertraute Hellmut von Gerlachs geht sie ins Pariser Exil und wirkt an der Nobelpreis-Kampagne für Carl von Ossietzky mit. 1936 wird die Jüdin ausgebürgert, 1941 flieht sie in die USA.

14. Januar 1894

In Köln kommt Elisabeth Moses als Tochter einer jüdischen Familie zur Welt. Sie studiert Kunstgeschichte und wirkt als Kuratorin am Kunstgewerbemuseum und am Wallraf-Richartz-Museum, wo sie die Sammlungen betreut. 1933 entlassen die Nationalsozialisten die Wissenschaftlerin wegen ihrer Herkunft; sie flieht in die USA und arbeitet am De Young Museum in San Francisco. Ein Stolperstein an der Elisenstraße erinnert heute an sie.

15. Januar 1909

Eduard Salomon von Oppenheim, 1831 in Köln geboren, stirbt in seiner Heimatstadt. Seiner Familie gehört die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Am 1. Oktober 1881 führt er in Köln das erste Telefonat, verbunden mit der Colonia-Feuerversicherungsgesellschaft. Er wird auf dem Melaten-Friedhof bestattet.

16. Januar 1884

Die orthodoxe Synagoge in der St. Apern-Straße wird eingeweiht.

21. Januar 1926

Willehad Paul Eckert wird in Köln geboren und in St. Severin getauft. Der Dominikaner, Priester und Kirchenhistoriker wirkt ab 1961 vom Kölner Kreuzherrenkloster aus und arbeitet mit dem Thomas-Institut der Universität Köln zusammen. Zur Kölner Ausstellung Monumenta Judaica trägt er 1963/64 bei und lehrt ab 1977 Kirchengeschichte an der Universität. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im jüdisch-christlichen Dialog.

25. Januar 1891

In der Kölner Alexianerstraße wird Ernst Isidor Berliner in einem jüdisch-kölschen Umfeld geboren. Als Radsportler gewinnt er 1912 die Kölner Stadtmeisterschaft auf der Stadtwaldbahn in Lindenthal; später wird er Manager und väterlicher Freund des Weltklasse-Sprinters Albert Richter. 1937 flieht die Familie vor den Nationalsozialisten, sechs seiner Geschwister werden in Lagern ermordet. Seit 2021 trägt der Platz am Müngersdorfer Radstadion seinen Namen.

1. Februar 1890

In Köln kommt Lina Salten als Lina Salomon zur Welt und erhält am dortigen Theater ihre schauspielerische Ausbildung. Nach ersten Engagements an den Kölner Bühnen wechselt sie nach Berlin und wird zu einer gefragten Darstellerin des deutschen Stummfilms, in dem sie rund dreißig Rollen übernimmt. Als jüdische Künstlerin gerät sie unter der NS-Herrschaft in Vergessenheit und wird 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

10. Februar 1870

In Köln wird als Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie der Kunstkritiker und Journalist Max Osborn geboren; er besucht das Kölner Apostelgymnasium. Als langjähriger Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung“ wird er zu einer der einflußreichsten Stimmen des Berliner Kunstlebens. 1933 verliert er unter dem NS-Regime seine Stellung, wirkt im Jüdischen Kulturbund und emigriert schließlich über Paris nach New York.

14. Februar 1943

Brandbomben eines alliierten Luftangriffs setzen die Baracken des Deportationslagers am Fort V in Köln-Müngersdorf in Brand. 25 französische Zwangsarbeiter kommen dabei ums Leben. Das Fort V nutzen die Nationalsozialisten seit 1941 als zentrales Sammel- und Deportationslager für die Juden Kölns und des Rheinlands. Der Angriff trifft damit einen Ort der Kölner Verfolgungsgeschichte.

25. Februar 1999

Els Vordemberge, geboren als Else Tintner in Wien, stirbt in Köln, wo sie seit 1926 lebt. 1927 wird sie bei der Westdeutschen Rundfunk AG angestellt und leitet den Kinderfunk. 1933 als Jüdin entlassen, überlebt sie die NS-Zeit in einer Mischehe und ab 1944 im Versteck. Nach dem Krieg übernimmt sie erneut die Leitung des Kinderfunks beim WDR. Beigesetzt wird sie auf Melaten.

29. Februar 1976

Der Schriftsteller Paul Schallück, 1922 in Warendorf geboren, stirbt in Köln, wohin er 1947 übersiedelt und das ihm zur Wahlheimat wird. 1958 gründet er die Germania Judaica mit, eine Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums, deren Vorsitzender er bis 1962 ist.

10. März 1932

Fritz Stier-Somlo, Staatsrechtler an der Universität zu Köln, stirbt in Köln an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Seit 1916 lehrt er an der Handelshochschule Köln und baut die juristische Fakultät der Universität mit auf. 1925/26 amtiert er als Rektor. Auf seinem Kölner Lehrstuhl folgt ihm Carl Schmitt.

11. März 1899

In Köln kommt die Malerin Edith Auerbach zur Welt, Tochter einer liberalen jüdischen Familie; ihr Vater leitet als Arzt das Israelitische Asyl. In den 1920er Jahren geht sie nach Paris und stellt in der Montparnasse-Szene aus. 1940 in Südfrankreich interniert und als Jüdin von der Deportation bedroht, überlebt sie untergetaucht unter dem Namen Irène Delamare. Seit 2025 erinnert der Auerbachplatz in Sülz auch an sie.

13. März 1912

Wilhelm Kweksilber kommt in Köln zur Welt; seine Eltern sind staatenlose Juden aus Russisch-Polen, die sich in der Stadt niedergelassen haben. Im April 1933 verläßt er Köln und geht nach Amsterdam, wo er ab 1935 unter dem Namen H. Wielek als Publizist und Kritiker arbeitet. Seine Eltern und seine Schwester werden 1943 verhaftet und in Sobibor beziehungsweise Auschwitz ermordet. 1948 wird er niederländischer Staatsbürger; von 1973 bis 1978 sitzt er in der Ersten Kammer.

22. März 1899

Einweihung der liberalen Synagoge in der Roonstraße.

31. März 1933

Im Justizgebäude am Reichenspergerplatz treibt die SA als Teil einer reichsweiten Kampagne die jüdischen Richter, Staats- und Rechtsanwälte aus ihren Dienstzimmern und unterbricht die laufenden Sitzungen. Die Juristen werden misshandelt, auf einen Wagen der Müllabfuhr verladen und unter Schmährufen langsam durch die Stadt zum Polizeipräsidium in der Krebsgasse gefahren. Der Übergriff markiert den Beginn der Vertreibung der jüdischen Juristen aus dem Kölner Gerichtswesen.

3. April 2013

Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala stirbt in New York. Sie kommt am 7. Mai 1927 in Köln zur Welt; 1939 flieht ihre jüdische Familie vor dem NS-Regime aus Deutschland nach England. Als britische Staatsbürgerin lebt sie lange in Indien und schreibt Romane sowie die Drehbücher der Merchant-Ivory-Filme. Für „A Room with a View“ (1985) und „Howards End“ (1992) erhält sie je einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.

29. April 1945

Eine kleine Gruppe Überlebender gründet in den Trümmern der Synagoge in der Roonstraße die neue jüdische Gemeinde Köln.

7. Mai 1904

In Köln wird die Bildhauerin Nelli Bar geboren. Sie besucht in Köln die Schule und studiert 1924/25 an der Kölner Kunstgewerbeschule, danach in Dresden und bei Aristide Maillol in Paris. Als Jüdin flieht sie vor dem NS-Regime und emigriert 1940 über die Sowjetunion, Japan und Panama in die USA. Später lehrt sie am Art Institute of Chicago und am Illinois Institute of Technology.

15. Mai 1855

Louis Hagen wird in Köln als Louis Heymann Levy geboren, Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie. 1873 tritt er in das Kölner Bankhaus A. Levy ein, 1877 wird er Teilhaber. Ab 1915 steht er der Kölner Handelskammer als Präsident vor und beteiligt sich an der Gründung der Kölner Messe. Er stirbt 1932 in Köln.

24. Mai 1804

In Köln wird der Bankier Abraham Oppenheim geboren, der als Teilhaber des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. zu den einflussreichsten Finanziers des Rheinlands zählt. Er fördert die Vollendung des Kölner Doms und tritt als jüdischer Mäzen und Stifter hervor, unter anderem als Mitstifter einer Kölner Synagoge. In seiner Geburtsstadt stirbt er 1878.

3. Juni 1886

In Köln wird Max Salomon geboren, Karnevalist und Kabarettist. 1922 gründet er mit seinem Bruder Willi den Kleinen Kölner Klub, den einzigen jüdischen Karnevalsverein der Stadt. Als Büttenredner tritt er mit der Figur der „Kölsche Marktfrau“ auf. 1977 stirbt er im US-Exil in Los Angeles.

15. Juni 1942

Von Köln aus deportieren die Nationalsozialisten überwiegend ältere jüdische Bürger in das Ghetto Theresienstadt. Es ist einer von zwei Transporten dieses Sommers, mit denen rund zweitausend Kölner Jüdinnen und Juden dorthin verschleppt werden. Als Durchgangsstation dient das Sammellager im Fort V in Köln-Müngersdorf, das seit dem Vorjahr eingerichtet ist.

20. Juni 1819

Am Großen Griechenmarkt in der Altstadt-Süd kommt Jacques Offenbach als Jakob Eberst zur Welt, Sohn des Synagogen-Kantors Isaac Offenbach. Mit vierzehn zieht er nach Paris, wo er zum Begründer der modernen Operette wird; „Orphée aux enfers" und „La Belle Hélène" begründen seinen Weltruhm. Eine Gedenktafel am heutigen Neubau erinnert an das längst abgerissene Geburtshaus des größten Sohnes der Stadt.

1. Juli 1865

David Levy Elkan, jüdischer Maler, Zeichner und Lithograf, stirbt am 1. Juli in seiner Geburtsstadt Köln. Er unterhält hier ein lithographisches Institut und liefert Illustrationen für Baedeker-Reiseführer. Von ihm stammt die älteste bekannte Bildnis-Lithografie von Karl Marx. Bestattet wird er auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz.

11. Juli 1944

Lily Herz, geboren am 5. März 1901, lebt mit ihrer Familie in der Neuen Maastrichter Straße 3 in Köln-Neustadt-Nord. Ende Juli 1942 muss die jüdische Familie zu Fuß zur Deutzer Messehalle gehen; vom Bahnhof Köln-Deutz bringt ein Sonderzug sie nach Theresienstadt, im Mai weiter nach Auschwitz-Birkenau. Am 11. Juli werden Lily Herz und ihre Kinder Walter, Johanna und Jona in der Gaskammer ermordet. Ihr Sohn Rudy Herz überlebt und emigriert in die USA. Stolpersteine erinnern an die Ermordeten.

22. Juli 1894

Die jüdische Kinderärztin Edith Bella Leffmann kommt in Köln zur Welt. Nach Studium und Promotion führt sie eine Kinderarztpraxis in Berlin, die sie 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten aufgeben muss. 1939 emigriert sie, schließt sich in Frankreich der Résistance an und überlebt. In Köln erinnert seit 2012 ein Stolperstein an sie.

29. Juli 1995

Der Sozialphilosoph und Soziologe Leo Kofler stirbt in Köln, wo er seit 1950 lebt und lehrt. Der undogmatische Marxist jüdischer Herkunft flieht 1938 nach dem Anschluss Österreichs vor der NS-Verfolgung in die Schweiz. In Köln unterrichtet er unter anderem an der Werkkunstschule. An der Ruhr-Universität Bochum erhält er 1975 eine Honorarprofessur. Er wird auf dem Mülheimer Friedhof beigesetzt.

1. August 1899

Am 1. August wird Hans Wilhelm Steinberg in Köln in eine jüdische Familie geboren. Er studiert am Kölner Konservatorium bei Hermann Abendroth und beginnt als Assistent Otto Klemperers an der Kölner Oper. 1933 wird er als Jude aus dem Amt gedrängt und leitet das Orchester des Jüdischen Kulturbunds. 1936 baut er mit Bronisław Huberman das Palestine Symphony Orchestra auf; in den USA wird er Chefdirigent unter anderem in Pittsburgh und Boston.

6. August 2005

Der Architekt Helmut Goldschmidt, 1918 in Magdeburg als Sohn des Kölner Rechtsanwalts Moritz Goldschmidt geboren, stirbt in Köln. Im Dezember 1942 nimmt ihn die Kölner Gestapo fest, 1943 wird er nach Auschwitz und weiter in das KZ Buchenwald deportiert. Nach dem Krieg baut er in Köln die Synagoge in der Ottostraße wieder auf und rekonstruiert von 1957 bis 1959 die Große Synagoge in der Roonstraße, die im September 1959 wieder eingeweiht wird.

10. August 1899

An der Kölner Kunstgewerbeschule beginnt Margarete Heymann ihre Ausbildung, ehe sie ans Staatliche Bauhaus in Weimar wechselt und dort die Keramikwerkstatt durchläuft. Die gebürtige Kölnerin jüdischer Herkunft gründet 1923 die Haël-Werkstätten und gilt als eine der fortschrittlichsten Keramikerinnen der Weimarer Republik. 1936 muß sie vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien emigrieren; sie stirbt 1990 in London.

11. August 1909

Alphons Silbermann wird am 11. August in Köln geboren, als Sohn eines Kölner Druckereibesitzers. Er studiert Jura in Köln und Freiburg und flieht 1935 als Jude über Utrecht und Paris nach Sydney. In den 1950er Jahren kehrt er nach Europa zurück. 1969 wird er Professor am Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln und baut dort die Abteilung Massenkommunikation auf; er stirbt am 4. März 2000 in Köln.

19. August 1878

Als Tochter der jüdischen Kaufmannsfamilie Bing wird Maria Herz in Köln geboren. Sie erhält ihre musikalische Ausbildung unter anderem bei Lehrern des Kölner Konservatoriums und wird Komponistin und Pianistin. Bis 1934 entstehen rund 30 Werke; als Jüdin von der NS-Diktatur verfolgt und mit einem Aufführungsverbot belegt, emigriert sie über England in die USA, wo sie 1950 in New York stirbt.

19. August 1890

Ernst Lyon wird in Köln geboren. Er wird Facharzt für Innere Medizin und führt eine eigene Praxis in der Kölner Mozartstraße. 1935 muss er als jüdischer Arzt aus Deutschland fliehen und geht mit seiner Familie nach Palästina. In Jerusalem stirbt er 1968.

24. August 1349

Die Kölner Judengemeinde wird bei einem Pestpogrom ausgelöscht.

24. August 1349

In der Nacht vom 23. auf den 24. August – der sogenannten Bartholomäusnacht – wird die Kölner Judengemeinde bei einem Pestprogrom ausgelöscht.

24. August 1424

Der Rat beschließt, das Aufenthaltsrecht der Kölner Juden nicht zu verlängern. Damit wird die jahrhundertealte jüdische Gemeinde aus der Stadt vertrieben. In den folgenden Jahrhunderten verhindert der Stadtrat konsequent die Wiederansiedlung von Juden.

25. August 1926

In Köln wird Wolfgang Schwarz geboren. Nach dem Tod der Mutter wächst er bei Großvater und Tante in Köln-Ehrenfeld auf; sein jüdischer Vater emigriert Mitte der 1930er Jahre in die Niederlande, wird 1940 verhaftet und in Auschwitz ermordet. Den Behörden gilt Schwarz als „Volljude“; er schließt sich der Ehrenfelder Gruppe der Edelweißpiraten an, die geflohene Zwangsarbeiter versorgt. 2021 stirbt er als letzter Überlebender der bekannten Ehrenfelder Zeitzeugenrunde.

15. September 1891

In Köln kommt Elvira Sanders-Platz als Tochter der jüdischen Familie Platz in der Moltkestraße zur Welt. Sie lernt Putzmacherin, leitet später in Leiden die Hutabteilung eines Kaufhauses und tritt 1918 zum katholischen Glauben über. Nach dem Protest der Bischöfe gegen die Deportationen verhaftet die Gestapo die getaufte Jüdin; in Auschwitz-Birkenau wird sie ermordet. Ein Stolperstein an der Moltkestraße 34 erinnert an sie.

18. September 1927

Die Ehrenfelder Synagoge in der Könerstraße wird eingeweiht.

20. September 1959

Die wiederaufgebaute Synagoge Roonstraße wird eingeweiht.

22. September 1900

Irena Rüther-Rabinowicz kommt am 22. September in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Köln zur Welt und wächst dort und in Chemnitz auf. 1919 wird sie als erste Frau an der Dresdner Kunstakademie immatrikuliert und arbeitet ab 1922 als freischaffende Malerin. Nach 1933 wird sie als Jüdin mit Ausstellungs- und Berufsverbot belegt, 1943 muss sie Zwangsarbeit leisten und entgeht 1945 knapp der Deportation nach Theresienstadt.

24. September 1914

Annetje Fels-Kupferschmidt wird als Tochter einer aus Polen zugewanderten orthodox-jüdischen Familie in Köln geboren. Zwei Jahre später zieht die Familie in die Niederlande. Im besetzten Holland schließt sie sich dem kommunistischen Widerstand an, wird 1944 verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert; sie überlebt Lagerhaft und Todesmarsch. Nach dem Krieg gehört sie zu den Gründern des niederländischen Auschwitz-Komitees, dem sie ab 1974 vorsteht.

29. September 1892

Rudolf Callmann wird in Köln geboren. Als Jurist spezialisiert er sich auf Wettbewerbs- und Markenrecht und führt die Kölner Kanzlei seines Vaters. 1936 emigriert er als jüdischer Anwalt in die USA. Ab 1959 lehrt er als Honorarprofessor an der Universität zu Köln.

9. Oktober 1878

Der Bankier Abraham Freiherr von Oppenheim stirbt in Köln, wo er 1804 geboren wird. Seit 1828 führt er das väterliche Bankhaus Sal. Oppenheim und gründet Aktiengesellschaften im Bergbau, in der Schwerindustrie sowie im Eisenbahn- und Versicherungswesen, darunter die Rheinische und die Köln-Mindener Eisenbahn. 1856 stiftet er der wachsenden jüdischen Gemeinde Kölns eine neue Synagoge; mit seinem Bruder Simon gehört er zu den aktivsten bürgerlichen Förderern des Dombaus. 1868 wird er als erster Jude Preußens in den Freiherrenstand erhoben.

12. Oktober 1801

Achtzehn Familien gründen die erste jüdische Gemeinde der Kölner Neuzeit. Erst die französische Besatzung hatte den Juden die Niederlassung wieder erlaubt – nach der Vertreibung von 1424 waren sie fast vierhundert Jahre aus der Stadt verbannt gewesen. Prominentestes Gründungsmitglied ist der Bankier Salomon Oppenheim; als erste Betstube dienen bescheidene Räume in der Glockengasse.

21. Oktober 1941

Die ersten Kölner Juden werden in das KZ Theresienstadt deportiert.

22. Oktober 1941

Vom tiefliegenden Bahnhof Köln-Deutz fährt der erste Deportationszug mit 1.018 Kölner Jüdinnen und Juden ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź). Zuvor werden die Messehallen in Deutz als Sammellager genutzt. Ein zweiter Transport folgt wenige Tage später. Von den rund 2.000 aus Köln nach Litzmannstadt Deportierten überleben nach heutigem Forschungsstand nur wenige.

24. Oktober 1901

Der Grafiker und Holzstecher Fritz Eichenberg wird in Köln als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er lernt an der Kölner Kunstgewerbeschule und arbeitet ab 1923 als Illustrator in Berlin. Als offener Gegner des Nationalsozialismus emigriert er 1933 in die USA, wo er als Buchillustrator für Werke von Dostojewski und Tolstoi bekannt wird.

4. November 1898

In Köln wird die Musikwissenschaftlerin Else Thalheimer geboren. Ab etwa 1924 leitet sie das Programm der 1921 gegründeten Kölner Gesellschaft für Neue Musik und holt unter anderem Sergej Prokofjew und Kurt Weill in die Stadt. 1933 verliert sie als Jüdin diesen Posten und arbeitet danach für den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr. Im Dezember 1935 emigriert sie mit ihrem Mann Salomon Lewertoff nach Tel Aviv, wo sie am Aufbau des späteren Israel Philharmonic Orchestra mitwirkt.

13. November 1937

Im Kölner Kunsthaus Math. Lempertz werden die Bestände der Düsseldorfer Galerie Stern zwangsversteigert. Der jüdische Kunsthändler Max Stern muss seine Galerie auf Anordnung der NS-Reichskammer der bildenden Künste schließen; unter den Hammer kommen Gemälde alter und neuzeitlicher Meister. Die Auktion Nr. 392 gilt heute als dokumentierter Fall NS-verfolgungsbedingten Kunstraubs und ist Gegenstand internationaler Restitutionsverfahren.

27. November 1891

Hans Karl Rosenberg wird in Köln geboren. Er ist Professor an der Pädagogischen Akademie in Bonn, wird aber wegen seiner jüdischen Herkunft väterlicherseits und seiner aus christlicher Überzeugung kommenden Ablehnung des NS-Regimes bereits im April 1933 beurlaubt, zum Studienrat zurückgestuft und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 1935 folgt ein Schreibverbot. Er stirbt 1942 in Bad Godesberg.

1. Dezember 1808

In Köln wird David Levy Elkan als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Er arbeitet als Maler, Zeichner und Lithograf und gründet um 1837 in seiner Geburtsstadt eine Steindruckerei, dazu illustriert er Bücher. Er setzt sich für die jüdische Emanzipation ein und engagiert sich in der Revolution 1848. 1865 stirbt er in Köln.

2. Dezember 1893

Als Tochter des Strohhutfabrikanten Jacob Straus kommt Luise Straus-Ernst in Köln zur Welt. 1919 übernimmt sie kommissarisch die Leitung des Wallraf-Richartz-Museums und wird zur zentralen Figur der Kölner Dada-Bewegung. 1933 emigriert die Kunsthistorikerin und Journalistin nach Frankreich; 1944 wird sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

7. Dezember 1941

Vom Gleis 5 des Bahnhofs Köln Deutz-Tief fährt ein Deportationszug mit 1011 Kölner Jüdinnen und Juden nach Riga, organisiert von der Kölner Gestapo. Sie gehören zu den ersten deutschen Juden, die nach den Massakern an über 25.000 lettischen Juden in das geräumte Ghetto Riga gebracht werden. Wenige Tage nach der Ankunft werden männliche Jugendliche in das Lager Salaspils verschleppt. Von dem gesamten Transport überleben 87 Menschen.

10. Dezember 1899

In Köln wird Lili Wieruszowski geboren, Tochter des jüdischen Juristen Alfred Ludwig Wieruszowski. Sie ist Organistin, Komponistin und Kirchenmusikerin. Nach 1933 wird sie aufgrund der nationalsozialistischen Rassenpolitik mit einem Berufsverbot belegt. Im September emigriert sie in die Schweiz, wo sie 1971 in Basel stirbt.

10. Dezember 2014

Der Schriftsteller, Journalist und Dokumentarfilmer Ralph Giordano stirbt in einem Kölner Krankenhaus. 1923 in Hamburg geboren, überlebt er als Sohn einer jüdischen Mutter die NS-Verfolgung in einem Hamburger Kellerversteck bis zur Befreiung 1945. Bekannt wird er vor allem durch den autobiografischen Roman „Die Bertinis“. Seine letzten gut vier Jahrzehnte lebt er in Köln-Bayenthal und ist auf dem Kölner Südfriedhof bestattet.

11. Dezember 321

Der römische Kaiser Konstantin erlaubt den Stadträten Kölns, Juden in den Rat zu berufen.

16. Dezember 1838

In Köln wird Baruch Pohl in einer jüdischen Familie geboren; später nennt er sich Bernhard Pollini. Sein Bühnendebüt als Sänger gibt er 1857 am Kölner Theater. Danach wechselt er vom Tenor- ins Baritonfach und geht nach Hamburg. Dort übernimmt er 1874 die Leitung des Stadttheaters und behält sie bis zu seinem Tod 1897.

24. Dezember 1880

In Köln geboren, stirbt hier der Bankier Simon Oppenheim, seit 1867 Freiherr von Oppenheim und Teilhaber des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim. 1833 ist er Präsident der Handelskammer zu Köln. Mit seinem Bruder Abraham macht er das Haus zu einem der wichtigsten Industriefinanciers im Rheinland; in den 1840er Jahren setzen sich beide für die Gleichberechtigung der Juden in Preußen ein.

24. Dezember 1959

In der Nacht auf Heiligabend beschmieren zwei Mitglieder der rechtsextremen Deutschen Reichspartei die erst wenige Monate zuvor wiedereröffnete Synagoge an der Roonstraße in der Kölner Neustadt-Süd mit Hakenkreuzen und der Parole „Deutsche fordern: Juden raus“. Die Tat löst eine bundesweite Welle antisemitischer Schmierereien aus; bis Ende Januar werden rund 700 Vorfälle registriert. Bundeskanzler Adenauer verurteilt sie öffentlich, und der Bundestag verschärft 1960 den Straftatbestand der Volksverhetzung.

26. Dezember 1898

Ernst Fraenkel wird in Köln geboren. Der Jurist und Politikwissenschaftler jüdischer Herkunft arbeitet in der Weimarer Republik als sozialistischer Anwalt und emigriert 1938 in die USA. Sein Werk Der Doppelstaat, 1941 zuerst auf Englisch erschienen, analysiert die nationalsozialistische Herrschaft als Nebeneinander von Normen- und Maßnahmenstaat. Fraenkel zählt zu den Begründern der modernen Politikwissenschaft in der Bundesrepublik.

28. Dezember 1866

Moritz Wallach kommt am 28. Dezember in Köln in der Rheinstraße 15 zur Welt, als ältester von sieben Geschwistern einer jüdisch-orthodoxen Kaufmannsfamilie. Sein Vater Joseph stammt aus Euskirchen, die Mutter Marianne aus Münstereifel. Nach dem Medizinstudium geht Wallach 1891 nach Jerusalem, baut dort ab 1897 das Krankenhaus Schaare Zedek auf und leitet es rund 45 Jahre. Er behandelt Kranke aller Religionen, Mittellose kostenlos.

28. Dezember 1921

Ernest Ludwig Eliel wird als jüngster von drei Söhnen einer jüdischen Familie in Köln geboren; sein Großvater mütterlicherseits ist der Warenhausgründer Leonhard Tietz. 1938 flieht er vor der NS-Verfolgung aus Köln nach Edinburgh, während sich die Familie nach Palästina, Holland und England zerstreut. Über kanadische Internierung und Havanna gelangt er 1946 in die USA und wird dort einer der führenden Stereochemiker. 1992 ist er Präsident der American Chemical Society.

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