Ereignisse zum Thema: Jüdisches Köln
4. Januar 1888
In Köln kommt als Tochter des Hutfabrikanten Adolf Zirker eine spätere Stimme des politischen Journalismus zur Welt. Milly Zirker schreibt für das Berliner „8-Uhr-Abendblatt" und verfaßt für „Die Weltbühne" zahlreiche Beiträge, meist unter dem Pseudonym Johannes Bückler. Als Vertraute Hellmut von Gerlachs geht sie ins Pariser Exil und wirkt an der Nobelpreis-Kampagne für Carl von Ossietzky mit. 1936 wird die Jüdin ausgebürgert, 1941 flieht sie in die USA.
14. Januar 1894
In Köln kommt Elisabeth Moses als Tochter einer jüdischen Familie zur Welt. Sie studiert Kunstgeschichte und wirkt als Kuratorin am Kunstgewerbemuseum und am Wallraf-Richartz-Museum, wo sie die Sammlungen betreut. 1933 entlassen die Nationalsozialisten die Wissenschaftlerin wegen ihrer Herkunft; sie flieht in die USA und arbeitet am De Young Museum in San Francisco. Ein Stolperstein an der Elisenstraße erinnert heute an sie.
16. Januar 1884
Die orthodoxe Synagoge in der St. Apern-Straße wird eingeweiht.
1. Februar 1890
In Köln kommt Lina Salten als Lina Salomon zur Welt und erhält am dortigen Theater ihre schauspielerische Ausbildung. Nach ersten Engagements an den Kölner Bühnen wechselt sie nach Berlin und wird zu einer gefragten Darstellerin des deutschen Stummfilms, in dem sie rund dreißig Rollen übernimmt. Als jüdische Künstlerin gerät sie unter der NS-Herrschaft in Vergessenheit und wird 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
10. Februar 1870
In Köln wird als Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie der Kunstkritiker und Journalist Max Osborn geboren; er besucht das Kölner Apostelgymnasium. Als langjähriger Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung“ wird er zu einer der einflußreichsten Stimmen des Berliner Kunstlebens. 1933 verliert er unter dem NS-Regime seine Stellung, wirkt im Jüdischen Kulturbund und emigriert schließlich über Paris nach New York.
22. März 1899
Einweihung der liberalen Synagoge in der Roonstraße.
31. März 1933
Im Justizgebäude am Reichenspergerplatz treibt die SA als Teil einer reichsweiten Kampagne die jüdischen Richter, Staats- und Rechtsanwälte aus ihren Dienstzimmern und unterbricht die laufenden Sitzungen. Die Juristen werden misshandelt, auf einen Wagen der Müllabfuhr verladen und unter Schmährufen langsam durch die Stadt zum Polizeipräsidium in der Krebsgasse gefahren. Der Übergriff markiert den Beginn der Vertreibung der jüdischen Juristen aus dem Kölner Gerichtswesen.
29. April 1945
Eine kleine Gruppe Überlebender gründet in den Trümmern der Synagoge in der Roonstraße die neue jüdische Gemeinde Köln.
15. Juni 1942
Von Köln aus deportieren die Nationalsozialisten überwiegend ältere jüdische Bürger in das Ghetto Theresienstadt. Es ist einer von zwei Transporten dieses Sommers, mit denen rund zweitausend Kölner Jüdinnen und Juden dorthin verschleppt werden. Als Durchgangsstation dient das Sammellager im Fort V in Köln-Müngersdorf, das seit dem Vorjahr eingerichtet ist.
20. Juni 1819
Am Großen Griechenmarkt in der Altstadt-Süd kommt Jacques Offenbach als Jakob Eberst zur Welt, Sohn des Synagogen-Kantors Isaac Offenbach. Mit vierzehn zieht er nach Paris, wo er zum Begründer der modernen Operette wird; „Orphée aux enfers" und „La Belle Hélène" begründen seinen Weltruhm. Eine Gedenktafel am heutigen Neubau erinnert an das längst abgerissene Geburtshaus des größten Sohnes der Stadt.
10. August 1899
An der Kölner Kunstgewerbeschule beginnt Margarete Heymann ihre Ausbildung, ehe sie ans Staatliche Bauhaus in Weimar wechselt und dort die Keramikwerkstatt durchläuft. Die gebürtige Kölnerin jüdischer Herkunft gründet 1923 die Haël-Werkstätten und gilt als eine der fortschrittlichsten Keramikerinnen der Weimarer Republik. 1936 muß sie vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien emigrieren; sie stirbt 1990 in London.
24. August 1349
Die Kölner Judengemeinde wird bei einem Pestpogrom ausgelöscht.
24. August 1349
In der Nacht vom 23. auf den 24. August – der sogenannten Bartholomäusnacht – wird die Kölner Judengemeinde bei einem Pestprogrom ausgelöscht.
24. August 1424
Der Rat beschließt, das Aufenthaltsrecht der Kölner Juden nicht zu verlängern. Damit wird die jahrhundertealte jüdische Gemeinde aus der Stadt vertrieben. In den folgenden Jahrhunderten verhindert der Stadtrat konsequent die Wiederansiedlung von Juden.
15. September 1891
In Köln kommt Elvira Sanders-Platz als Tochter der jüdischen Familie Platz in der Moltkestraße zur Welt. Sie lernt Putzmacherin, leitet später in Leiden die Hutabteilung eines Kaufhauses und tritt 1918 zum katholischen Glauben über. Nach dem Protest der Bischöfe gegen die Deportationen verhaftet die Gestapo die getaufte Jüdin; in Auschwitz-Birkenau wird sie ermordet. Ein Stolperstein an der Moltkestraße 34 erinnert an sie.
18. September 1927
Die Ehrenfelder Synagoge in der Könerstraße wird eingeweiht.
20. September 1959
Die wiederaufgebaute Synagoge Roonstraße wird eingeweiht.
12. Oktober 1801
Achtzehn Familien gründen die erste jüdische Gemeinde der Kölner Neuzeit. Erst die französische Besatzung hatte den Juden die Niederlassung wieder erlaubt – nach der Vertreibung von 1424 waren sie fast vierhundert Jahre aus der Stadt verbannt gewesen. Prominentestes Gründungsmitglied ist der Bankier Salomon Oppenheim; als erste Betstube dienen bescheidene Räume in der Glockengasse.
21. Oktober 1941
Die ersten Kölner Juden werden in das KZ Theresienstadt deportiert.
2. Dezember 1893
Als Tochter des Strohhutfabrikanten Jacob Straus kommt Luise Straus-Ernst in Köln zur Welt. 1919 übernimmt sie kommissarisch die Leitung des Wallraf-Richartz-Museums und wird zur zentralen Figur der Kölner Dada-Bewegung. 1933 emigriert die Kunsthistorikerin und Journalistin nach Frankreich; 1944 wird sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
11. Dezember 321
Der römische Kaiser Konstantin erlaubt den Stadträten Kölns, Juden in den Rat zu berufen.