Ereignisse zum Thema: Nationalsozialismus
4. Januar 1933
Treffen zwischen von Papen und Hitler in der Villa des Kölner Bankiers von Schröder, bei dem der Weg Deutschlands in die Nazi-Diktatur verabredet wurde.
8. Januar 1897
Als Sohn eines Schuhmachers wird Jakob Boulanger in Köln-Ehrenfeld geboren. Er lernt das Kunstschmiedehandwerk und wird Betriebsratsvorsitzender, später Funktionär der KPD. 1933 verhaftet ihn die Gestapo; in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald und Mauthausen gehört er einer Widerstandsorganisation der Häftlinge an. Nach 1945 leitet er Großbetriebe in der DDR.
30. Januar 1903
In Köln wird Franz Monjau geboren, der später als Maler und Kunstpädagoge arbeitet. Um 1910 zieht die Familie nach Düsseldorf, wo er künstlerisch tätig wird. 1933 wird er als Kommunist verhaftet, aus dem Staatsdienst entlassen und mit Ausstellungsverbot belegt. Im Oktober 1944 erneut verhaftet, kommt er im Februar 1945 im Außenlager Ohrdruf des KZ Buchenwald um.
14. Februar 1943
Brandbomben eines alliierten Luftangriffs setzen die Baracken des Deportationslagers am Fort V in Köln-Müngersdorf in Brand. 25 französische Zwangsarbeiter kommen dabei ums Leben. Das Fort V nutzen die Nationalsozialisten seit 1941 als zentrales Sammel- und Deportationslager für die Juden Kölns und des Rheinlands. Der Angriff trifft damit einen Ort der Kölner Verfolgungsgeschichte.
17. Februar 1900
Am Eigelstein im Kölner Norden wird der Grafiker und Kommunalpolitiker Peter Paffenholz geboren. Ab 1926 gestaltet er für die KPD Flugblätter und Drucksachen und schließt sich der 'Gruppe progressiver Künstler' um Franz Wilhelm Seiwert und Heinrich Hoerle an. Am 20. November 1931 zieht er als Ratsherr in den Kölner Stadtrat ein. Unter dem Nationalsozialismus wird er in Köln als Kommunist verfolgt.
19. Februar 1933
Drei Wochen nach seiner Ernennung zum Reichskanzler spricht Adolf Hitler auf einer NSDAP-Wahlkundgebung in der Deutzer Messe. Oberbürgermeister Konrad Adenauer verweigert dem Gast jede Ehrung – er empfängt ihn weder noch läßt er ihm zu Ehren den Rhein illuminieren. Wenige Wochen später, nach der Reichstagswahl, jagen ihn die Nationalsozialisten aus dem Amt.
1. März 1945
Die Nazis ordnen die Evakuierung Kölns an.
5. März 1933
Die NSDAP erzielt im Wahlkreis Köln-Aachen ein Ergebnis von 30 Prozent.
8. März 1963
Johannes Albers, Kartellsekretär der christlichen Gewerkschaften und langjähriger Vorsitzender der Kölner CDU, stirbt an seinem Geburtstag in Köln. Seit 1919 wirkt er als Gewerkschaftssekretär in der Stadt, ab 1924 sitzt er für das Zentrum in der Kölner Stadtverordnetenversammlung. Er gehört dem Widerstandskreis um das Ketteler-Haus an und gründet 1945 die Kölner CDU mit, die er bis 1962 führt.
8. März 1970
In Köln stirbt Anton Räderscheidt, Maler der Neuen Sachlichkeit und einer der Kölner Progressiven, der hier geboren wird und dessen Atelier in der Altstadt liegt. Am Hildeboldplatz ist er Kopf der Künstlergruppe Stupid. Im Nationalsozialismus gilt seine Kunst als „entartet"; 1937 werden drei seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, und mit seiner jüdischen Lebensgefährtin Ilse Salberg flieht er nach Frankreich.
12. März 1920
Der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied der Edelweißpiraten, Roland Lorent, wird in Köln geboren. Am 29. September 1944 erschoss er den NSDAP-Ortsgruppenleiter von Köln-Ehrenfeld, Soentgen. Nach seiner Ergreifung wurde er am 10. November 1944 zusammen mit weiteren zwölf Mitgliedern der "Edelweißpiraten" in der Hüttenstraße in Köln-Ehrenfeld ohne Gerichtsurteil öffentlich gehenkt.
13. März 1912
Wilhelm Kweksilber kommt in Köln zur Welt; seine Eltern sind staatenlose Juden aus Russisch-Polen, die sich in der Stadt niedergelassen haben. Im April 1933 verläßt er Köln und geht nach Amsterdam, wo er ab 1935 unter dem Namen H. Wielek als Publizist und Kritiker arbeitet. Seine Eltern und seine Schwester werden 1943 verhaftet und in Sobibor beziehungsweise Auschwitz ermordet. 1948 wird er niederländischer Staatsbürger; von 1973 bis 1978 sitzt er in der Ersten Kammer.
13. März 1933
Einen Tag nach der Kommunalwahl ziehen SA- und NSDAP-Verbände vor das Kölner Rathaus. Oberbürgermeister Konrad Adenauer verläßt die Stadt; Gauleiter Josef Grohé erklärt ihn ohne Rechtsgrundlage für abgesetzt und setzt Günter Riesen als kommissarischen Oberbürgermeister ein. Am selben Tag werden die zehn gewählten kommunistischen Ratsmandate für unwirksam erklärt; die NSDAP erhält damit im Stadtrat die absolute Mehrheit.
26. März 1945
Drei Wochen nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen ins linksrheinische Köln richtet der US-Stadtkommandant Patterson ein Instruktionsschreiben an den Leiter der Stadtverwaltung. Es verpflichtet die Behörde auf Recht und Ordnung, auf die Ausscheidung von Nazismus und Militarismus und auf die Abschaffung jeder Diskriminierung. Mitglieder von NSDAP, SA und SS erhalten Beschäftigungsverbot; Spitzenpositionen sollen mit Vertretern unterschiedlicher politischer Überzeugungen besetzt werden.
30. März 1933
Adolf Hitler wird Ehrenbürger der Stadt Köln. Diese Würde wird ihm 1989 aberkannt.
31. März 1933
Im Justizgebäude am Reichenspergerplatz treibt die SA als Teil einer reichsweiten Kampagne die jüdischen Richter, Staats- und Rechtsanwälte aus ihren Dienstzimmern und unterbricht die laufenden Sitzungen. Die Juristen werden misshandelt, auf einen Wagen der Müllabfuhr verladen und unter Schmährufen langsam durch die Stadt zum Polizeipräsidium in der Krebsgasse gefahren. Der Übergriff markiert den Beginn der Vertreibung der jüdischen Juristen aus dem Kölner Gerichtswesen.
3. April 2013
Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala stirbt in New York. Sie kommt am 7. Mai 1927 in Köln zur Welt; 1939 flieht ihre jüdische Familie vor dem NS-Regime aus Deutschland nach England. Als britische Staatsbürgerin lebt sie lange in Indien und schreibt Romane sowie die Drehbücher der Merchant-Ivory-Filme. Für „A Room with a View“ (1985) und „Howards End“ (1992) erhält sie je einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.
10. April 1945
Nach Artilleriekämpfen und dem Bau von Panzersperren durch den Volkssturm ziehen sich die letzten deutschen Soldaten aus Köln-Höhenhaus zurück. Vier Tage später marschieren amerikanische Truppen in den rechtsrheinischen Vorort ein. Das linksrheinische Köln ist seit Anfang März besetzt; rechts des Rheins dauern die Kampfhandlungen gut fünf Wochen länger.
18. April 1929
In einer ehemaligen Kaserne an der Barbarastraße in Köln-Riehl wird der Widerstandskämpfer Jean Jülich geboren. Als Jugendlicher gehört er zu den Edelweißpiraten, einer nonkonformen Gruppe rund um den Manderscheider Platz in Sülz. Die Gestapo verhaftet ihn 1944. Die Gedenkstätte Yad Vashem ehrt ihn später als Gerechten unter den Völkern; nach dem Krieg bleibt er als Karnevalist und Zeitzeuge eine bekannte Kölner Stimme.
18. April 2012
Fritz Theilen, geboren am 27. September 1927 in Köln-Ehrenfeld, gehört als Jugendlicher zur Ehrenfelder Gruppe der Kölner Edelweißpiraten und leistet Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1943 wird er von der Gestapo im EL-DE-Haus inhaftiert, überlebt aber im Untergrund. In Köln stirbt er am 18. April.
22. April 1878
Paul Humburg wird in Mülheim am Rhein geboren, das 1914 nach Köln eingemeindet wird. Der reformierte Theologe wird zu einer Führungsfigur des kirchlichen Widerstands. Von 1934 bis 1942 amtiert er als Präses der Bekenntnissynode der Kirchenprovinz Rheinland und gehört zur Vorläufigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche. Die Gestapo führt ihn als gefährlichen Regimegegner. Er stirbt am 21. Mai 1945 in Detmold.
5. Mai 1982
Die Schriftstellerin Irmgard Keun stirbt am 5. Mai in Köln, der Stadt, in der sie seit 1913 aufwächst und zur Schule geht. 1933 setzen die Nationalsozialisten ihre Romane auf die Verbotsliste, 1936 geht sie ins belgische Exil. Ab 1977 lebt sie wieder in Köln. Ihr Grab liegt auf dem Melaten-Friedhof.
7. Mai 1904
In Köln wird die Bildhauerin Nelli Bar geboren. Sie besucht in Köln die Schule und studiert 1924/25 an der Kölner Kunstgewerbeschule, danach in Dresden und bei Aristide Maillol in Paris. Als Jüdin flieht sie vor dem NS-Regime und emigriert 1940 über die Sowjetunion, Japan und Panama in die USA. Später lehrt sie am Art Institute of Chicago und am Illinois Institute of Technology.
7. Mai 1971
Der Historiker und Politiker Leo Schwering stirbt in Köln. Nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst 1934 gehört er Kölner Widerstandskreisen an, die Verbindung zum Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 haben, und sitzt bis kurz vor Kriegsende in Gestapo-Haft. Im September 1945 wird er erster Vorsitzender der CDU-Rheinland. Er ist auf dem Melaten-Friedhof bestattet.
17. Mai 1933
Vor der Universität in der Claudiusstraße kommt es zu Bücherverbrennungen.
1. Juni 1924
Gertrud „Mucki“ Koch, geborene Kühlem, kommt in Köln in einem kommunistischen Elternhaus zur Welt. Sie verweigert den Eintritt in den Bund Deutscher Mädel und schließt sich den Edelweißpiraten an. Im Sommer 1942 beteiligt sie sich am Flugblattregen vom Kölner Hauptbahnhof, im Dezember 1942 verhaftet die Gestapo sie und hält sie bis Mai 1943 in Brauweiler fest. Ab 2000 berichtet sie öffentlich über den Kölner Jugendwiderstand, 2011 erhält sie das Bundesverdienstkreuz. Sie stirbt 2016.
3. Juni 1886
In Köln wird Max Salomon geboren, Karnevalist und Kabarettist. 1922 gründet er mit seinem Bruder Willi den Kleinen Kölner Klub, den einzigen jüdischen Karnevalsverein der Stadt. Als Büttenredner tritt er mit der Figur der „Kölsche Marktfrau“ auf. 1977 stirbt er im US-Exil in Los Angeles.
14. Juni 1897
Karl Schnog wird am 14. Juni als Sohn eines Handwerkers in Köln geboren; hier besucht er die Volksschule und macht eine kaufmännische Lehre. Später arbeitet er als Schauspieler und Conférencier an literarischen Kabaretts, ab 1925 als freier Schriftsteller, ab 1927 als Rundfunksprecher. 1933 flieht er in die Schweiz, dann über Frankreich nach Luxemburg. Nach der deutschen Besetzung wird er in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt, wo er Texte für ein illegales Lagerkabarett schreibt.
15. Juni 1942
Von Köln aus deportieren die Nationalsozialisten überwiegend ältere jüdische Bürger in das Ghetto Theresienstadt. Es ist einer von zwei Transporten dieses Sommers, mit denen rund zweitausend Kölner Jüdinnen und Juden dorthin verschleppt werden. Als Durchgangsstation dient das Sammellager im Fort V in Köln-Müngersdorf, das seit dem Vorjahr eingerichtet ist.
27. Juni 1952
Der Nationalökonom Christian Eckert stirbt in Köln. Ab 1901 wirkt er an der Kölner Handelshochschule und wird 1904 deren Direktor. Er betreibt die Wiedereröffnung der Universität zu Köln und wird 1919 ihr erster Rektor. 1933 entlassen ihn die Nationalsozialisten wegen seiner Tätigkeit für die Zentrumspartei, 1934 versetzen sie ihn zwangsweise in den Ruhestand.
4. Juli 2010
In Köln stirbt der Journalist und Publizist Heiner Lichtenstein, geboren als Carl-Heinrich Lichtenstein 1932 in Chemnitz. Von 1961 bis 1995 arbeitet er als politischer Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk in Köln. Rund fünfzig Jahre lang berichtet er von hier aus über NS-Prozesse im In- und Ausland, darunter die Verfahren zu Majdanek und Sobibor sowie den Barbie-Prozess. 1990 erhält er den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland.
11. Juli 1944
Lily Herz, geboren am 5. März 1901, lebt mit ihrer Familie in der Neuen Maastrichter Straße 3 in Köln-Neustadt-Nord. Ende Juli 1942 muss die jüdische Familie zu Fuß zur Deutzer Messehalle gehen; vom Bahnhof Köln-Deutz bringt ein Sonderzug sie nach Theresienstadt, im Mai weiter nach Auschwitz-Birkenau. Am 11. Juli werden Lily Herz und ihre Kinder Walter, Johanna und Jona in der Gaskammer ermordet. Ihr Sohn Rudy Herz überlebt und emigriert in die USA. Stolpersteine erinnern an die Ermordeten.
17. Juli 1898
Leo Statz wird am 17. Juli in Köln geboren und wächst als Sohn eines nach Düsseldorf versetzten Landgerichtsrats dort auf. Als Direktor der Birresborner Mineralbrunnen AG und Vorsitzender des Düsseldorfer Karnevalsausschusses äußert er offen seine Ablehnung des NS-Regimes. Der Volksgerichtshof verurteilt ihn 1943 zum Tode; am 1. November desselben Jahres wird er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Das Erzbistum Köln führt ihn unter den Kölner Märtyrern.
17. Juli 1933
Konrad Adenauer wird per Schreiben des preußischen Innenministeriums offiziell aus dem Dienst der Stadt Köln entlassen. Grundlage ist § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Damit endet seine 16-jährige Amtszeit als Oberbürgermeister; die Nationalsozialisten hatten ihn schon im März aus dem Rathaus vertrieben. Adenauer hält sich zu diesem Zeitpunkt im Kloster Maria Laach auf; das Disziplinarverfahren gegen ihn endet 1934 zu seinen Gunsten.
22. Juli 1894
Die jüdische Kinderärztin Edith Bella Leffmann kommt in Köln zur Welt. Nach Studium und Promotion führt sie eine Kinderarztpraxis in Berlin, die sie 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten aufgeben muss. 1939 emigriert sie, schließt sich in Frankreich der Résistance an und überlebt. In Köln erinnert seit 2012 ein Stolperstein an sie.
29. Juli 1995
Der Sozialphilosoph und Soziologe Leo Kofler stirbt in Köln, wo er seit 1950 lebt und lehrt. Der undogmatische Marxist jüdischer Herkunft flieht 1938 nach dem Anschluss Österreichs vor der NS-Verfolgung in die Schweiz. In Köln unterrichtet er unter anderem an der Werkkunstschule. An der Ruhr-Universität Bochum erhält er 1975 eine Honorarprofessur. Er wird auf dem Mülheimer Friedhof beigesetzt.
1. August 1899
Am 1. August wird Hans Wilhelm Steinberg in Köln in eine jüdische Familie geboren. Er studiert am Kölner Konservatorium bei Hermann Abendroth und beginnt als Assistent Otto Klemperers an der Kölner Oper. 1933 wird er als Jude aus dem Amt gedrängt und leitet das Orchester des Jüdischen Kulturbunds. 1936 baut er mit Bronisław Huberman das Palestine Symphony Orchestra auf; in den USA wird er Chefdirigent unter anderem in Pittsburgh und Boston.
6. August 2005
Der Architekt Helmut Goldschmidt, 1918 in Magdeburg als Sohn des Kölner Rechtsanwalts Moritz Goldschmidt geboren, stirbt in Köln. Im Dezember 1942 nimmt ihn die Kölner Gestapo fest, 1943 wird er nach Auschwitz und weiter in das KZ Buchenwald deportiert. Nach dem Krieg baut er in Köln die Synagoge in der Ottostraße wieder auf und rekonstruiert von 1957 bis 1959 die Große Synagoge in der Roonstraße, die im September 1959 wieder eingeweiht wird.
19. August 1878
Als Tochter der jüdischen Kaufmannsfamilie Bing wird Maria Herz in Köln geboren. Sie erhält ihre musikalische Ausbildung unter anderem bei Lehrern des Kölner Konservatoriums und wird Komponistin und Pianistin. Bis 1934 entstehen rund 30 Werke; als Jüdin von der NS-Diktatur verfolgt und mit einem Aufführungsverbot belegt, emigriert sie über England in die USA, wo sie 1950 in New York stirbt.
19. August 1890
Ernst Lyon wird in Köln geboren. Er wird Facharzt für Innere Medizin und führt eine eigene Praxis in der Kölner Mozartstraße. 1935 muss er als jüdischer Arzt aus Deutschland fliehen und geht mit seiner Familie nach Palästina. In Jerusalem stirbt er 1968.
19. August 1934
Arisierung des Kaufhauses Leonhard Tietz A.G. auf der Schildergasse. Der neue Name lautet “Westdeutsche Kaufhof AG”.
21. August 1946
Der Gauleiter der NSDAP in Köln, Josef Grohé, wird von den Briten verhaftet. Er wird am 18. September 1950 in Bielefeld zu 4½ Jahren Haft verurteilt.
23. August 1944
Im Zusammenhang mit Verdächtigungen wegen des Hitler-Attentats wird Konrad Adenauer verhaftet.
25. August 1926
In Köln wird Wolfgang Schwarz geboren. Nach dem Tod der Mutter wächst er bei Großvater und Tante in Köln-Ehrenfeld auf; sein jüdischer Vater emigriert Mitte der 1930er Jahre in die Niederlande, wird 1940 verhaftet und in Auschwitz ermordet. Den Behörden gilt Schwarz als „Volljude“; er schließt sich der Ehrenfelder Gruppe der Edelweißpiraten an, die geflohene Zwangsarbeiter versorgt. 2021 stirbt er als letzter Überlebender der bekannten Ehrenfelder Zeitzeugenrunde.
1. September 2009
Am Appellhofplatz in der Kölner Altstadt-Nord wird das Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz eingeweiht, genau am 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen. Der Schweizer Gestalter Ruedi Baur entwirft den Bau als „Pergola der Deserteure", der an Wehrmachtsdeserteure und Kriegsgegner erinnert; Köln vergibt dafür als erste Stadt einen internationalen Wettbewerb.
22. September 1900
Irena Rüther-Rabinowicz kommt am 22. September in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Köln zur Welt und wächst dort und in Chemnitz auf. 1919 wird sie als erste Frau an der Dresdner Kunstakademie immatrikuliert und arbeitet ab 1922 als freischaffende Malerin. Nach 1933 wird sie als Jüdin mit Ausstellungs- und Berufsverbot belegt, 1943 muss sie Zwangsarbeit leisten und entgeht 1945 knapp der Deportation nach Theresienstadt.
23. September 1893
In Köln wird August Hermann Zeiz geboren, Schriftsteller, Gerichtsreporter und Bühnenautor, der unter den Pseudonymen Jean Barlatier und Georg Fraser schreibt. In den 1920er Jahren arbeitet er als Journalist für die Ullstein-Blätter und das Berliner Tageblatt. 1935 emigriert er nach Österreich und wird Chefdramaturg der Wiener Scala. 1943 wird er verhaftet und bis 1944 im KZ Dachau inhaftiert; seine Frau wird 1943 in Auschwitz ermordet.
24. September 1914
Annetje Fels-Kupferschmidt wird als Tochter einer aus Polen zugewanderten orthodox-jüdischen Familie in Köln geboren. Zwei Jahre später zieht die Familie in die Niederlande. Im besetzten Holland schließt sie sich dem kommunistischen Widerstand an, wird 1944 verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert; sie überlebt Lagerhaft und Todesmarsch. Nach dem Krieg gehört sie zu den Gründern des niederländischen Auschwitz-Komitees, dem sie ab 1974 vorsteht.
27. September 1927
In Köln wird Fritz Theilen geboren, der als Jugendlicher zur Ehrenfelder Gruppe der Kölner Edelweißpiraten gehört. Er gründet eine eigene Gruppe, die sich am Takuplatz in Köln-Ehrenfeld trifft. 1943 sperrt ihn die Gestapo im EL-DE-Haus ein; nach der Flucht überlebt er im Untergrund und entkommt später aus einem Außenlager des KZ Dachau. Als Zeitzeuge berichtet er jahrzehntelang über die Edelweißpiraten.
27. September 1944
Am 27. September treffen 200 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald auf dem Gelände der Vereinigten Westdeutschen Waggonfabrik AG in der Deutz-Mülheimer-Straße in Köln-Deutz ein. Dort entsteht ein Männer-Außenlager Buchenwalds. Die Gefangenen leisten in Zwölf-Stunden-Schichten Zwangsarbeit in der Waggonfabrik. Ab Ende Oktober bringt man sie in einem Luftschutzkeller ohne Bettgestelle, Fenster oder Toiletten unter.
29. September 1892
Rudolf Callmann wird in Köln geboren. Als Jurist spezialisiert er sich auf Wettbewerbs- und Markenrecht und führt die Kölner Kanzlei seines Vaters. 1936 emigriert er als jüdischer Anwalt in die USA. Ab 1959 lehrt er als Honorarprofessor an der Universität zu Köln.
1. Oktober 1944
Auf Anordnung der Nazis werden in Köln die Schulen geschlossen.
12. Oktober 1909
Ernest Berk wird in Köln geboren und erhält seine Ausbildung an der Rheinischen Musikschule. Als Tänzer und Choreograph des Ausdruckstanzes gibt er 1929 sein Debüt und arbeitet später mit Max Reinhardt; zugleich ist er ein Pionier der Musique concrète. 1934 muss er Deutschland verlassen und wirkt danach überwiegend in London, wo er ein eigenes Studio für elektronische Musik aufbaut.
14. Oktober 1912
Der Radrennfahrer Albert „Teddy“ Richter wird in Köln geboren. Als Amateur wurde er im Jahre 1932 Weltmeister im Sprint auf der Bahn; als Profi zwischen 1933 und 1939 siebenfacher Deutscher Meister und zweimal Vizeweltmeister. Albert Richter, dessen Trikot bei internationalen Veranstaltungen statt des Hakenkreuzes der Reichsadler zierte, stand unter der Beobachtung der Nazis, die er zeitlebens verabscheute. Albert Richter starb unter ungeklärten Umständen am 2.1.1940 in Lörrach in der Schweiz. Die Radrennbahn in Köln-Müngersdorf wurde nach ihm benannt und er wurde im Mai 2008 in die "Hall of Fame des deutschen Sports" aufgenommen.
19. Oktober 2011
In Köln stirbt Jean Jülich, Edelweißpirat der Ehrenfelder Gruppe und späterer Gastronom. Mit 13 Jahren schließt er sich der Kölner Jugendgruppe im Widerstand gegen das NS-Regime an; 1944 verhaftet ihn die Gestapo und sperrt ihn ins EL-DE-Haus, aus dem er erst im März 1945 freikommt. Nach dem Krieg betreibt er die Musikkneipe Blomekörvge, in der die Bläck Fööss und BAP auftreten. 1984 ehrt ihn Yad Vashem als Gerechten unter den Völkern, 1991 erhält er das Bundesverdienstkreuz.
19. Oktober 2019
Der in Berlin geborene afrodeutsche Schauspieler und Journalist Theodor Wonja Michael stirbt im Alter von 94 Jahren in Köln. Als Kind wird er in einer Völkerschau vorgeführt, in der NS-Zeit entrechtet und zur Zwangsarbeit gezwungen. Später arbeitet er als Journalist und Beamter des Bundesnachrichtendienstes; 2013 erscheint seine Autobiografie „Deutsch sein und schwarz dazu“. Bestattet wird er im Kölner Stadtteil Volkhoven/Weiler.
21. Oktober 1941
Die ersten Kölner Juden werden in das KZ Theresienstadt deportiert.
22. Oktober 1941
Vom tiefliegenden Bahnhof Köln-Deutz fährt der erste Deportationszug mit 1.018 Kölner Jüdinnen und Juden ins Ghetto Litzmannstadt (Łódź). Zuvor werden die Messehallen in Deutz als Sammellager genutzt. Ein zweiter Transport folgt wenige Tage später. Von den rund 2.000 aus Köln nach Litzmannstadt Deportierten überleben nach heutigem Forschungsstand nur wenige.
24. Oktober 1901
Der Grafiker und Holzstecher Fritz Eichenberg wird in Köln als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er lernt an der Kölner Kunstgewerbeschule und arbeitet ab 1923 als Illustrator in Berlin. Als offener Gegner des Nationalsozialismus emigriert er 1933 in die USA, wo er als Buchillustrator für Werke von Dostojewski und Tolstoi bekannt wird.
30. Oktober 1944
In der Nacht zum 31. Oktober wird Köln erneut schwer bombardiert. Kloster und Kirche des Karmel Maria vom Frieden an der Dürener Straße in Lindenthal werden restlos zerstört; dabei stirbt Schwester Johanna a cruce. In diesen Karmel war Edith Stein 1933 eingetreten. Auch die Ehrenfelder Kirche St. Mechtern brennt bis auf Turm- und Malereireste aus, und das Chemische Institut der Universität im Fort I bleibt als offene Ruine zurück.
1. November 1901
Augustin Floßdorf wird in Köln geboren; ab dem dritten Lebensjahr wächst er in Mülheim an der Ruhr auf. Als katholischer Priester stellt er sich gegen das NS-Regime und wird von Dezember 1936 bis Dezember 1937 im KZ Sachsenhausen inhaftiert, wo er die Mitgefangenen seelsorgerisch betreut. Auf diese Zeit geht der spätere Beiname KZ-Pfarrer zurück. Nach dem Krieg setzt er sich für die Opfer des NS-Regimes ein.
2. November 1905
Der Kölner Büttenredner Karl Küpper ("D´r Verdötschte"- etwa "Der Bekloppte") wird in Köln geboren. Karl Küpper machte sich oft über die Nationalsozialisten lustig, so hob er z.B. die rechte Hand zum Hitlergruß und fragte das Publikum "Es et am rähne?" (regnet es?) oder attestierte: "Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller." ( So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller). Das Regime belegte Karl Küpper mit einem lebenslangen Redeverbot und er mußte sich täglich bei der Gestapo melden. Um der drohenden Verhaftung zuvorzukommen, meldete sich Küpper freiwillig zum Dienst in der Wehrmacht. Nach Aufhebung seines Redeverbots wurde er im Fronttheater eingesetzt. Nach dem Krieg war Karl Küpper wieder als Büttenredner im Karneval tätig. Er verstarb am 26. Mai 1970 in Köln.
4. November 1898
In Köln wird die Musikwissenschaftlerin Else Thalheimer geboren. Ab etwa 1924 leitet sie das Programm der 1921 gegründeten Kölner Gesellschaft für Neue Musik und holt unter anderem Sergej Prokofjew und Kurt Weill in die Stadt. 1933 verliert sie als Jüdin diesen Posten und arbeitet danach für den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr. Im Dezember 1935 emigriert sie mit ihrem Mann Salomon Lewertoff nach Tel Aviv, wo sie am Aufbau des späteren Israel Philharmonic Orchestra mitwirkt.
6. November 1932
Die NSDAP erzielt im Wahlkreis Köln-Aachen ein Ergebnis von 17,4 Prozent.
10. November 1944
In der Hüttenstraße in Köln - Ehrenfeld werden dreizehn Deutsche von Mitgliedern der Gestapo und der SS gehenkt.
13. November 1937
Im Kölner Kunsthaus Math. Lempertz werden die Bestände der Düsseldorfer Galerie Stern zwangsversteigert. Der jüdische Kunsthändler Max Stern muss seine Galerie auf Anordnung der NS-Reichskammer der bildenden Künste schließen; unter den Hammer kommen Gemälde alter und neuzeitlicher Meister. Die Auktion Nr. 392 gilt heute als dokumentierter Fall NS-verfolgungsbedingten Kunstraubs und ist Gegenstand internationaler Restitutionsverfahren.
19. November 1903
Gottfried Brockmann wird in Köln-Lindenthal als Sohn eines Malers geboren und gehört in den 1920er Jahren zu den Kölner Progressiven. 1937 beschlagnahmt die NS-Aktion „Entartete Kunst" seine Mappe „Bilderbogen der Zeit. Arbeiter" mit 15 Linolschnitten aus dem Wallraf-Richartz-Museum Köln und zerstört sie. Nach Krieg und Gefangenschaft lässt er sich 1952 in Kiel nieder.
27. November 1891
Hans Karl Rosenberg wird in Köln geboren. Er ist Professor an der Pädagogischen Akademie in Bonn, wird aber wegen seiner jüdischen Herkunft väterlicherseits und seiner aus christlicher Überzeugung kommenden Ablehnung des NS-Regimes bereits im April 1933 beurlaubt, zum Studienrat zurückgestuft und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 1935 folgt ein Schreibverbot. Er stirbt 1942 in Bad Godesberg.
27. November 1927
Bartholomäus „Barthel“ Schink wird in Köln geboren. Als 16-Jähriger gehört er der Ehrenfelder Gruppe an, einem Kölner Widerstandskreis aus dem Umfeld der Edelweißpiraten, der untergetauchte Zwangsarbeiter, Juden und Deserteure versteckt und Sabotageaktionen verübt. Am 10. November 1944 wird er mit zwölf weiteren Mitgliedern der Gruppe am Bahnhof Köln-Ehrenfeld ohne Gerichtsverfahren öffentlich gehängt.
30. November 1933
Auf ausdrücklichen Befehl Hermann Görings werden im Kölner Klingelpütz 7 Kommunisten mit dem Handbeil hingerichtet.
1. Dezember 1935
Die Gestapo zieht in das EL-DE-Haus Ecke Appellhofplatz/Elisenstraße ein. Heute befindet sich in diesem Haus das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.
4. Dezember 1981
Das ehemalige Gestapogefängnis ("EL-DE - Haus") wird als Gedenkstätte eröffnet.
7. Dezember 1895
Als Tochter des Dermatologen und späteren Universitäts-Rektors Ferdinand Zinsser wird Auguste Zinsser in Köln geboren. 1919 heiratet sie in Köln den damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer; die Familie lebt in Köln-Lindenthal. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird sie von der Gestapo verhaftet und im Frauengefängnis Brauweiler inhaftiert. Von den Haftfolgen erholt sie sich nicht und stirbt 1948 in Bonn.
7. Dezember 1941
Vom Gleis 5 des Bahnhofs Köln Deutz-Tief fährt ein Deportationszug mit 1011 Kölner Jüdinnen und Juden nach Riga, organisiert von der Kölner Gestapo. Sie gehören zu den ersten deutschen Juden, die nach den Massakern an über 25.000 lettischen Juden in das geräumte Ghetto Riga gebracht werden. Wenige Tage nach der Ankunft werden männliche Jugendliche in das Lager Salaspils verschleppt. Von dem gesamten Transport überleben 87 Menschen.
9. Dezember 1903
In Köln wird die Juristin Lilo Gloeden geboren, die 1928 an der Universität Köln promoviert. Im Widerstand gegen den Nationalsozialismus unterstützt sie verfolgte Juden und nimmt nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 den gesuchten General Fritz Lindemann in ihrer Wohnung auf. Nach einem Verrat wird sie zum Tode verurteilt und am 30. November 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.
10. Dezember 1899
In Köln wird Lili Wieruszowski geboren, Tochter des jüdischen Juristen Alfred Ludwig Wieruszowski. Sie ist Organistin, Komponistin und Kirchenmusikerin. Nach 1933 wird sie aufgrund der nationalsozialistischen Rassenpolitik mit einem Berufsverbot belegt. Im September emigriert sie in die Schweiz, wo sie 1971 in Basel stirbt.
10. Dezember 2014
Der Schriftsteller, Journalist und Dokumentarfilmer Ralph Giordano stirbt in einem Kölner Krankenhaus. 1923 in Hamburg geboren, überlebt er als Sohn einer jüdischen Mutter die NS-Verfolgung in einem Hamburger Kellerversteck bis zur Befreiung 1945. Bekannt wird er vor allem durch den autobiografischen Roman „Die Bertinis“. Seine letzten gut vier Jahrzehnte lebt er in Köln-Bayenthal und ist auf dem Kölner Südfriedhof bestattet.
13. Dezember 1886
Am 13. Dezember wird Wilhelm Bitter in Köln geboren und wächst in Deutz und Kalk auf. Ab 1904 ist er stellvertretender Vorsitzender des Windthorst-Bundes, der Kölner Jugendorganisation des Zentrums. Später verlegt er die Recklinghäuser Volkszeitung, wird im Nationalsozialismus mehrfach von der Gestapo verhaftet und aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Nach 1945 wird er Bürgermeister von Recklinghausen.
13. Dezember 1898
In Köln wird Ina Gschlössl geboren, evangelische Theologin und Vorkämpferin für die Zulassung von Frauen zum Pfarramt. 1925 gründet sie in Köln den Verband evangelischer Theologinnen mit und beginnt 1927 ihr Vikariat in der Stadt. Als Gegnerin des Nationalsozialismus entlässt der Kölner Oberbürgermeister sie 1933 aus dem städtischen Schuldienst, in dem sie als Religionslehrerin arbeitet.
20. Dezember 1890
Josef Gielen wird am 20. Dezember in Köln geboren. Der Schauspieler und Regisseur inszeniert an großen Bühnen und leitet von 1948 bis 1954 das Wiener Burgtheater. 1936 wird das Ehepaar in Dresden von den Nationalsozialisten denunziert; wegen der Bedrohung seiner jüdischen Frau emigriert es nach Südamerika.
26. Dezember 1893
Der Schriftsteller Axel Rudolph wird in Köln-Nippes geboren. In den 1930er Jahren verfasst er über 50 Abenteuer- und Kriminalromane, dazu Drehbücher und Hörspiele, teils unter dem Namen Heinrich Weiler. 1939 schließt ihn die Reichsschrifttumskammer aus, was einem Berufsverbot gleichkommt. 1944 verurteilt ihn der Volksgerichtshof unter Roland Freisler wegen „Wehrkraftzersetzung" zum Tode; im selben Jahr wird er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
28. Dezember 1921
Ernest Ludwig Eliel wird als jüngster von drei Söhnen einer jüdischen Familie in Köln geboren; sein Großvater mütterlicherseits ist der Warenhausgründer Leonhard Tietz. 1938 flieht er vor der NS-Verfolgung aus Köln nach Edinburgh, während sich die Familie nach Palästina, Holland und England zerstreut. Über kanadische Internierung und Havanna gelangt er 1946 in die USA und wird dort einer der führenden Stereochemiker. 1992 ist er Präsident der American Chemical Society.