Albertus Magnus und das Kölner Studium generale
Im Sommer 1248 kehrte der Dominikaner Albertus Magnus, geboren um 1200 im schwäbischen Lauingen an der Donau, gemeinsam mit seinem Schüler Thomas von Aquin von Paris an den Rhein zurück. Das Generalkapitel seines Ordens hatte ihm den Auftrag erteilt, in Köln das erste Studium generale der Dominikaner auf deutschem Boden einzurichten und zu leiten1. Aus dieser Ordenshochschule am Dominikanerkloster Heilig Kreuz ging eine wissenschaftliche Tradition hervor, die als geistiger Vorläufer der 1388 gegründeten Kölner Universität gilt.
Vom Noviziat zum Lehrstuhl in Paris
Albert stammte aus der Familie eines staufischen Beamten und studierte zunächst in Padua die Freien Künste, bevor er 1223 dort dem Dominikanerorden beitrat1. In den folgenden Jahren wirkte er als Lektor an verschiedenen Ordenshäusern in Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und Straßburg1. Anfang der 1240er Jahre ging er als erster deutscher Dominikaner zum Promotionsstudium nach Paris, wo er 1245 promoviert und bis 1248 Theologieprofessor wurde1.
Gründung und Profil der Ordenshochschule
Die erfolgreiche Errichtung eines Studium generale der Dominikaner in Paris hatte 1246/1248 die Einrichtung weiterer Generalstudien in Bologna, Montpellier, Oxford und Köln zur Folge. Während die übrigen Standorte bereits über angesehene Universitäten verfügten, war der Erfolg der Kölner Gründung auf die Leitung durch Albertus Magnus angewiesen. Albert organisierte die Hochschule nach dem Vorbild der Theologischen Fakultät der Pariser Universität, und der Lehrstoff entsprach dem an bestehenden Universitäten verbreiteten Niveau – im Mittelpunkt standen Theologie und Philosophie. Während der Pariser Bischof noch 1277 die Lehre des Aristoteles an der dortigen Universität verbot, wurde in den Kölner Generalstudien die neue Methode der Aristoteles-Auslegung von Anfang an gelehrt – ein wesentlicher Protagonist dabei war Albert selbst.
In Köln verfasste Albert die meisten seiner mehr als siebzig Werke und hielt seine Vorlesungen über die Nikomachische Ethik des Aristoteles; mit der Kommentierung der aristotelischen Physik begann hier das große Projekt der Auslegung aller in lateinischer Sprache zugänglichen Schriften des Stagiriten1. Die akademischen Grade konnte die Ordensschule jedoch nicht verleihen – die Magisterwürde blieb den vollwertigen Universitäten als Generalstudien vorbehalten.
Politischer Vermittler und Bischof
Der Leitung der Schule widmete Albert sich bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Regensburg am 5. Januar 1260 – unterbrochen nur durch eine dreijährige Amtszeit als Provinzial der deutschen Dominikanerprovinz Teutonia von 1254 bis 12571. In den Jahren seines Kölner Wirkens betätigte er sich auch als juristischer Vermittler in den Konflikten zwischen Bürgerschaft und Erzbischof: Anfang 1271 folgte er einer eindringlichen Bitte des Ordensmeisters Johannes von Vercelli, nach Köln zu gehen, um in einem langwierigen Streit zwischen Bürgerschaft und Erzbischof Engelbert von Falkenburg zu vermitteln und die Stadt vom päpstlichen Interdikt zu befreien1.
Tod und Nachwirken
Am 15. November 1280 starb Albert in Köln; seine Gebeine ruhen seit der Aufhebung des Dominikanerklosters 1804 in St. Andreas, seit 1954 in der erweiterten Krypta dieser Kirche2. Zeitgenossen verliehen ihm Ehrentitel wie Doctor expertus, jünger ist die Bezeichnung Doctor universalis – sein Schüler Ulrich von Straßburg feierte ihn als Mann, der in jeder Wissenschaft so göttlich gewesen sei, daß man ihn das Staunen und Wunder seiner Zeit nennen könne2. Im 15. und 16. Jahrhundert priesen Kölner Drucke von Lehrbüchern ihren Wert mit dem Hinweis auf die via sancti Alberti. Heute erinnert das 1956 von Gerhard Marcks geschaffene Denkmal vor dem Hauptgebäude der Universität zu Köln an den Gelehrten – die Stadt verdankt ihm in erheblichem Maße ihren mittelalterlichen Weltruhm als Wissenschaftsstandort1.
Quellen
- Albertus Magnus | Portal Rheinische Geschichte (LVR)
Im Sommer 1248 kehrte er in Begleitung seines Schülers Thomas von Aquin in seinen Heimatkonvent nach Köln mit dem Auftrag zurück, hier das Studium generale der Dominikaner, die erste Hochschule Deutschlands und Vorläuferin der Kölner Universität, einzurichten und zu leiten.
- Albertus Magnus – Deutsche Biographie (NDB)
In Verzeichnissen scholastischer Ehrentitel heißt er auch Doctor expertus. Jünger ist die Bezeichnung Doctor universalis.