Der Kölner Verbundbrief von 1396

Der Kölner Verbundbrief von 1396, Pergamenturkunde mit den anhängenden Siegeln der 22 Gaffeln und dem großen Stadtsiegel, Kölnisches Stadtmuseum
Foto des Verbundbriefs (Kölnisches Stadtmuseum), Wikimedia-Commons-Nutzer Triptychon (2025), via Wikimedia Commons – gemeinfrei

Der Kölner Verbundbrief vom 14. September 1396 beendete die jahrhundertelange Herrschaft der patrizischen Geschlechter und gab der Stadt eine ständische Ratsverfassung, die bis zum Einmarsch der Franzosen 1794 in Kraft blieb. Unterzeichnet von 22 Gaffeln, regelte das auf Pergament ausgefertigte Vertragswerk Zusammensetzung und Wahl des Rates und gilt heute als erste geschriebene Verfassung der Stadt Köln2.

Vorgeschichte: Patrizier, Weber und Greifen

Seit der Schlacht von Worringen 1288 hatten die reichen Handelsherren, die sogenannten Geschlechter, dem Erzbischof die Herrschaft über die Stadt entrissen und das Stadtregiment in ihren Familienclans monopolisiert. Im Spätmittelalter wurden sie zunehmend von den reich gewordenen Handwerksmeistern und Kaufleuten herausgefordert, deren erster gewaltsamer Vorstoß im Weberaufstand von 1369 bis zur blutigen Weberschlacht am Waidmarkt am 20. November 1371 reichte1. In den 1390er Jahren spitzten sich die internen Kämpfe innerhalb des Patriziats zu: Die Greifen-Partei unter Hilger Quattermart von der Stesse stand der Partei des Konstantin von Lyskirchen gegenüber, Heinrich von Stave wurde am 11. Januar 1396 auf dem Neumarkt hingerichtet.

Die unblutige Revolution vom Juni 1396

Am 18. Juni 1396 versuchte Konstantin von Lyskirchen, alte patrizische Rechte wiederherzustellen, und schickte die protestierenden Handwerker- und Kaufleutezünfte vom hohen Ross herab nach Hause. Daraufhin nahmen die Zünfte die Geschlechter in ihrem Versammlungsraum gefangen, und am 24. Juni 1396 trat ein 48-köpfiger provisorischer Rat aus Kaufleuten, Grundbesitzern und Handwerkern zusammen. Ihm gehörten unter anderem 15 Kaufleute des alten Weiten Rates und 27 Abgesandte der Handwerkerzünfte an, während aus dem Engen Rat der Geschlechter nur noch fünf Mitglieder vertreten waren2. Zur Ausarbeitung des Vertragswerkes setzte er einen dreizehnköpfigen Ausschuss ein, dem sich noch 25 Vertreter von Gaffeln und Zünften anschlossen; die Urkunden verfasste der Stadtschreiber Gerlach van Hauwe2.

Inhalt und Wirkung

Der Verbundbrief konstituierte einen 49-köpfigen Rat, in den 36 Ratsherren aus den Gaffeln und 13 Gebrechsherren berufen wurden3. Die Gaffeln waren heterogen zusammengesetzt: In ihnen wurden die entmachteten Patrizier, Ämter, Zünfte und Einzelpersonen zusammengefasst, nicht aber die zahlenmäßig starke Geistlichkeit; jeder kölnische Bürger musste einer Gaffel beitreten3. Aus den ehrbaren und weisen Männern der Gemeinde wählte der Rat zwei Bürgermeister als oberste städtische Repräsentanten, und wer ein Amt ein Jahr lang innegehabt hatte, durfte es die folgenden zwei Jahre nicht mehr bekleiden. Erst mit dem Verbundbrief wurden die Gaffeln zu in der Verfassung festgelegten und definierten politischen Gruppierungen; gleichzeitig wurde die alte Richerzeche, die Tafelgemeinschaft der Reichen, endgültig abgeschafft1.

Überlieferung und Erinnerung

Insgesamt wurden 23 Exemplare des Verbundbriefes ausgefertigt, je eines für die 22 Gaffeln und eines für den Rat; bis zum Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009 hatten sich neun davon erhalten, darunter fünf im Besitz des Archivs. Ein Exemplar, das sich als Dauerleihgabe im Kölnischen Stadtmuseum befand, ist seither das letzte unversehrte Kölner Stück; das Pergament misst 53 mal 80 Zentimeter und trägt 23 anhängende Siegel. Schon im ältesten Urkundenfindbuch von 1408/09 wurde dem Verbundbrief als Verfassungsurkunde der Stadt ein Ehrenplatz eingeräumt: Er lagerte im gewölbten Raum des Rathausturmes in einer eigens mit der Krone des Stadtwappens markierten Lade4.

Quellen

  1. Die Kölner Gaffeln | Portal Rheinische Geschichte

    Erst mit dem Verbundbrief von 1396 wurden Gaffeln in der Verfassung festgelegte und definierte politische Gruppierungen.

  2. Kölner Rat bis 1796 – Wikipedia

    Dem im Juni 1396 gebildeten provisorischen Rat gehörten außer 15 Kaufleuten des alten Weiten Rates nun auch 27 Abgesandte der Handwerkerzünfte an, lediglich 5 Mitglieder des Engen Rates, die den Geschlechtern angehörten, waren ebenfalls in ihm vertreten. Zur Ausarbeitung des Verbundbriefes bestimmte der Interimsrat einen dreizehnköpfigen Ausschuss, dem sich noch 25 Vertreter von Gaffeln und Zünften anschlossen. Die Urkunden wurden von dem Stadtschreiber Gerlach van Hauwe abgefasst.

  3. Geschichte der Stadt Köln – Wikipedia

    Der Stadtschreiber Gerlach von Hauwe formulierte daraufhin den so genannten Verbundbrief, der am 14. September 1396 von den 22 so genannten Gaffeln unterzeichnet und in Kraft gesetzt wurde. Die Gaffeln waren heterogen zusammengesetzt, in ihnen waren die entmachteten Patrizier, Ämter, Zünfte und Einzelpersonen zusammengefasst, nicht aber die zahlenmäßig sehr starke Geistlichkeit; jeder kölnische Bürger musste einer der Gaffeln beitreten. Der Verbundbrief konstituierte einen 49-köpfiger Rat; in ihn wurden 36 Ratsherren aus den Gaffeln und 13 Gebrechsherren berufen.

  4. Historisches Archiv der Stadt Köln – Wikipedia

    Einen Ehrenplatz hatte der Verbundbrief als Verfassungsurkunde der Stadt, der in einer Lade mit Krone gelagert war.

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