Die Kölner Hexenprozesse
Zwischen 1627 und 1630 erschütterte eine Welle von Hexenprozessen die Reichsstadt Köln und das angrenzende Kurfürstentum. Im Zentrum stand der Prozess gegen die Postmeisterin Katharina Henot, die 1627 als bekanntestes Opfer der Kölner Hexenverfolgungen auf der Richtstätte Melaten hingerichtet wurde1. Ihr Fall markierte den Auftakt einer Prozessserie, die bis in die höchsten Kreise der Kölner Gesellschaft reichte und an der Schwelle zur Aufklärung tiefe Spuren in der Stadtgeschichte hinterließ.
Rechtlicher und konfessioneller Hintergrund
Die theoretische Grundlage der Verfolgung war im Rheinland früh gelegt worden. Bereits 1486 war im nahen Speyer der berüchtigte „Malleus maleficarum" der Dominikaner Heinrich Institoris und Jakob Sprenger erschienen, der bald in zahlreichen Auflagen – auch in Köln – verbreitet wurde und sich zu einem der auflagenstärksten Handbücher zur Hexenverfolgung überhaupt entwickelte. Der Text verschob das Interesse vom Ketzervorwurf hin zum Schadenszauber, spitzte die Verfolgung auf das weibliche Geschlecht zu und forderte die weltlichen Gerichte zur eigenständigen Strafverfolgung auf.
Im Kurfürstentum Köln war es vor allem Erzbischof Ferdinand von Bayern (1577-1650), dessen Name eng mit einer Hochphase der Hexenverfolgung verknüpft war; sein Engagement in der peinlichen Strafjustiz galt ihm als Teil einer Herrschaftsreform im Sinne moderner Staatlichkeit3.
Der Prozess gegen Katharina Henot
Katharina Henot entstammte einer aus den Niederlanden eingewanderten Patrizierfamilie; ihr Vater Jakob Henot war 1580 zum kaiserlichen Postmeister in Köln ernannt worden2. Nach jahrelangen Streitigkeiten um das Postmeisteramt geriet die einflussreiche Frau im Januar 1627 ins Visier der Justiz und wurde im Haus ihres Bruders Hartger als Hexe verhaftet.
Das Hohe Weltliche Gericht verurteilte sie wegen Schadenszauber mit Todesfolge in fünf Fällen, Schadenszauber in der Natur, Verbreitung von Zank, magischer Praktiken, Rutengängerei und Unzucht mit adeligen Herren zum Tode und drängte auf eine schnelle Vollstreckung4. Am 19. Mai 1627 wurde Katharina Henot auf der Richtstätte Melaten vor den Mauern Kölns vom Scharfrichter erwürgt und ihre Leiche anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt4.
Die Prozesswelle bis 1630
Der Henot-Prozess bildete erst den Auftakt einer breiteren Verfolgungswelle in der Stadt Köln1. Im April 1629 beschuldigte die Obstverkäuferin Christina Plum den Dechanten Hartger Henot zusammen mit weiteren Mitgliedern der Kölner Oberschicht der Hexerei, was zunächst folgenlos blieb. Nachdem Plum sich selbst bezichtigt hatte und Anfang 1630 hingerichtet worden war, kam es 1631 zu einer erneuten Verhaftungswelle, der auch Hartger Henot und zwei seiner Nichten ausgesetzt waren; auf Intervention des Kurfürsten Ferdinand von Bayern wurde jedoch kein weiterer Prozess geführt.
Hartger Henot legte nach der Hinrichtung seiner Schwester seine kirchlichen Ämter nieder und setzte sich in mehreren Schriften für ihre Rehabilitierung ein; die Prozessakten, die er einsehen wollte, wurden ihm vom Kurfürsten jedoch verweigert.
Späte Rehabilitierung
Fast vier Jahrhunderte nach dem Justizmord rehabilitierte der Rat der Stadt Köln Katharina Henot am 28. Juni 2012 offiziell2. Sichtbares Zeichen der Erinnerung ist eine 1988 von der Frankfurter Bildhauerin Marianne Lüdicke geschaffene Skulptur am Kölner Rathausturm, die die als Hexe verbrannte Postmeisterin im 20. Jahrhundert als Opfer eines Unrechtsregimes neu vergegenwärtigt2.
Dieses Thema greifen wir auch in der Stadtführung Die Hexen von Köln auf.
Quellen
- Katharina Henot | Portal Rheinische Geschichte
Die aus einer Kölner Patrizierfamilie stammende Katharina Henot wurde 1627 der Hexerei für schuldig befunden und hingerichtet. Aufgrund ihrer vornehmen Herkunft war sie das wohl bekannteste Opfer der Kölner Hexenverfolgungen zwischen 1627 und 1630. Der Henot-Prozess stellte den Auftakt einer Prozesswelle in der Stadt Köln dar.
- Hartger Henot | Portal Rheinische Geschichte
Am Kölner Rathausturm befindet sich eine im Jahr 1988 von der Frankfurter Bildhauerin Marianne Lüdicke (1919-2012) geschaffene Skulptur der Kölner Postmeisterin Katharina Henot, die im Jahr 1627 als Hexe verbrannt wurde und vor allem im 20. Jahrhundert als Opfer eines Unrechtsregimes zu neuen Ehren gekommen ist. Eine offizielle Rehabilitierung durch den Rat der Stadt Köln erfolgte am 28.6.2012.
- Ferdinand von Bayern | Portal Rheinische Geschichte
Sein Name ist eng mit einer Hochphase der Hexenverfolgung im Kurfürstentum verbunden; dabei war sein Engagement bei der peinlichen Strafjustiz nur ein Aspekt seiner Bemühungen um eine Herrschaftsreform im Sinne moderner Staatlichkeit.
- Katharina Henot | Portal Rheinische Geschichte
Trotzdem verurteilte das Hohe Weltliche Gericht in Köln Katharina Henot wegen Schadenszauber mit Todesfolge in fünf Fällen, Schadenszauber in der Natur, Verbreitung von Zank, magischen Praktiken, Rutengängerei und Unzucht mit adeligen Herren zum Tode. Am 19.5.1627 wurde Katharina Henot auf der Richtstätte Melaten vor den Mauern Kölns vom Scharfrichter erwürgt und ihre Leiche anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.