Die Römer in Köln

Vom Römerlager zur Provinzhauptstadt

Der Römerturm in Köln
Stadtimpressionen Köln

Fast fünf Jahrhunderte lang prägten die Römer das Schicksal jener Siedlung am linken Rheinufer, aus der die heutige Stadt Köln hervorging. Zwischen der Ansiedlung des verbündeten Germanenstamms der Ubier um Christi Geburt und dem Ende der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zur bedeutendsten römischen Stadt nördlich der Alpen — zur Provinzhauptstadt Niedergermaniens, zum Statthaltersitz, zum Knotenpunkt der Rheinflotte und zum kulturellen Mittelpunkt einer ganzen Region.

Vom Oppidum Ubiorum zur Colonia

Die Geschichte Kölns begann in der Zeit um Christi Geburt mit der Entscheidung des Kaisers Augustus und seines Statthalters Marcus Vipsanius Agrippa, an dieser Stelle die Hauptstadt der geplanten Provinz Germania zu gründen. Rom siedelte den verbündeten Germanenstamm der Ubier an, weshalb der neue Verwaltungssitz den Namen Oppidum Ubiorum erhielt; zugleich entstand hier das zentrale Heiligtum der Provinz, die Ara Ubiorum, vermutlich im Bereich des heutigen Gürzenich. Auch nach der Niederlage des Varus im Jahre 9 n. Chr. und dem Rückzug auf die Rheingrenze behielt der Ort seine Schlüsselrolle, denn rechts des Rheins fehlte es an ausgebauten Straßen und städtischen Zentren1.

Im Jahre 15 oder 16 n. Chr. wurde im Oppidum Ubiorum Agrippina die Jüngere geboren, die spätere Gattin des Kaisers Claudius. Auf ihre Bitte erhob Claudius ihre Geburtsstadt im Jahre 50 n. Chr. zur Kolonie nach römischem Recht und gab ihr den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, abgekürzt CCAA. Mit diesem Schritt erhielten die Einwohner das römische Bürgerrecht, und die Stadt rückte an die Spitze der Städtehierarchie im Imperium.

Provinzhauptstadt und Blütezeit

Als der Militärbezirk um Köln um 81 n. Chr. zur Provinz Germania inferior erhoben wurde, stieg die CCAA zur Provinzhauptstadt auf und entwickelte sich zum Statthaltersitz. Das Stadtbild prägten monumentale Steinbauten, Tempel, der Statthalterpalast und Thermen; steingepflasterte Straßen mit unterirdischen Kanälen und eine Fernwasserleitung gehörten zur hochentwickelten Infrastruktur. In den Jahren um 80/85 n. Chr. entstand die rheinseitige Stadtmauer, deren mächtige Tore und Türme zugleich Schutz und Repräsentation boten2.

Im Zentrum der Stadt, an der Kreuzung der beiden Hauptachsen cardo maximus und decumanus maximus, erstreckte sich das Forum über vier insulae mit einer Ausdehnung von ungefähr 180 mal 180 Metern3. Kurz nach der Koloniegründung wurde das Niveau des Platzes erhöht und mit dem Ausbau zu einer repräsentativen Anlage begonnen3. Im Januar 69 ließ sich in Köln Aulus Vitellius von den rheinischen Legionen zum Kaiser ausrufen — ein Ereignis, das die politische Bedeutung der Stadt im Vierkaiserjahr unterstrich. Auch Trajan empfing 98 n. Chr. in Köln die Nachricht von seiner Kaiserwahl, überbracht von seinem späteren Nachfolger Hadrian.

Krisen, Sonderreich und Ende der römischen Herrschaft

Im 3. Jahrhundert wurde Köln zur Bühne des sogenannten Gallischen Sonderreichs: Unter Marcus Cassianus Latinius Postumus, dem ersten Kaiser dieses aus den abgefallenen Westprovinzen entstandenen Reichs, diente die Stadt von 260 bis 274 als Residenz. Kaiser Konstantin ließ in Köln Monumentalbauten errichten, darunter die erste feste Rheinbrücke und das Brückenkopfkastell Deutz. Etwa mit dem Tod des weströmischen Heermeisters Flavius Aetius im Jahre 454 endete die Herrschaft der Römer in Köln endgültig.

Die römische Vergangenheit blieb im Stadtbild präsent. Reste der Grundmauern des Praetoriums wurden 1953 beim Bau des Spanischen Baus des heutigen Rathauses freigelegt, romanische Kirchen wie Groß St. Martin, St. Severin und St. Gereon stehen über römischen Fundamenten. Selbst der heutige Stadtname trägt das römische Erbe weiter: Von den rund 150 römischen Coloniae ist Köln die einzige, deren moderner Name sich von dieser Bezeichnung für das höchste römische Stadtrecht herleitet.

Quellen

1. Die Zeit der römischen Eroberungen — Portal Rheinische Geschichte

Hier befand sich nicht nur die Provinzhauptstadt Oppidum Ubiorum — das spätere Köln —, sondern auch ein Großteil der militärischen und zivilen Infrastruktur. Genau daran mangelte es rechts des Rheins, wo es weder ausgebaute Straßen noch größere städtische Zentren gab.

2. Die römischen Stadtmauern von Köln — Portal Rheinische Geschichte

Aufgrund des Fundmaterials aus den etwa 6 Meter hohen Anschüttungen am älteren Ubiermonument konnte der Bau der rheinseitigen Stadtmauer in die Jahre um 80/85 n. Chr. datiert werden.

3. Römisches Forum Köln — KuLaDig

Das Forum des römischen Köln erstreckte sich über eine Fläche von vier insulae, das entspricht einer Ausdehnung von ungefähr 180 x 180 Meter. Es lag im östlichen Teil der Stadt, an der Kreuzung der beiden Hauptachsen, des cardo maximus und des decumanus maximus. Kurz nach der Koloniegründung 50 n. Chr. wurde das Niveau des Platzes erhöht, und man begann den Ausbau zu der repräsentativen Anlage.

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