Das römische Köln – Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Köln (CCAA, als „Agrippina“) im römischen Straßennetz, Ausschnitt der Tabula Peutingeriana (Faksimile 1887/88)
Tabula Peutingeriana, Ausschnitt mit der CCAA als „Agrippina“, Faksimile 1887/88 – gemeinfrei (Public Domain), via Wikimedia Commons

Im Jahre 50 n. Chr. erhob Kaiser Claudius die Ubiersiedlung am linken Rheinufer zur Kolonie nach römischem Recht und verlieh ihr den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA. Damit begann eine fast vierhundertjährige Epoche, in der das heutige Köln zu einem der bedeutendsten städtischen Zentren nördlich der Alpen wurde – Provinzhauptstadt, Handelsplatz und Sitz des römischen Statthalters von Germania Inferior.

Von der Ubiersiedlung zur Colonia

Kurz vor Christi Geburt hatte römisches Militär am Ort des heutigen Stadtzentrums den Zentralort der Ubier gegründet, das oppidum Ubiorum. In dieser Siedlung wurde um 15 oder 16 n. Chr. Iulia Agrippina, später bekannt als Agrippina die Jüngere, geboren – Mutter Neros und spätere Gattin des Kaisers Claudius4. Auf ihren Wunsch hin verlieh Claudius ihrer Geburtsstadt im Jahre 50 den Rang einer Kolonie. Der Name lässt sich frei als 'Stadt römischen Rechts der Agrippinenser, unter Claudius gegründet beim Altar' übersetzen; Ara verweist dabei auf das ältere Kaiserkultheiligtum der Ara Ubiorum4.

Hauptstadt der Germania Inferior

Unter Kaiser Domitian, der von 81 bis 96 n. Chr. regierte, wurde die CCAA zur Hauptstadt der neu eingerichteten Provinz Niedergermanien erhoben1. In diesem Zusammenhang entstand auch die rheinseitige Stadtmauer, deren Bauzeit anhand keramischer Funde aus den etwa sechs Meter hohen Anschüttungen am Ubiermonument in die Jahre um 80/85 n. Chr. datiert werden konnte1. Das gewaltige Bauprojekt wurde wesentlich von der Logistik des römischen Militärs getragen und vermutlich vom niedergermanischen Oberbefehlshaber mit dem Kaiser selbst abgestimmt1. Im Jahre 98 empfing Trajan in Köln die Nachricht von seiner Kaiserwahl – ein Beleg für den Rang, den die Stadt im Reich einnahm.

Stadtbild und Infrastruktur

Das Innere der Colonia war von monumentalen Steinbauten geprägt: Tempel, der Statthalterpalast und große Thermen bestimmten das Stadtbild, dazu kamen steingepflasterte Straßen mit unterirdischen Kanälen sowie die berühmte Eifelwasserleitung. Im östlichen Teil der Stadt, an der Kreuzung der beiden Hauptachsen cardo maximus und decumanus maximus, erstreckte sich das Forum über eine Fläche von vier insulae, was einer Ausdehnung von rund 180 × 180 Metern entsprach2. Im Osten schloss eine Basilika den Platz ab, im Westen bildete eine Ringportikus mit 141 Metern Außen- und 111 Metern Innendurchmesser den Abschluss, der im Untergeschoss eine zweischiffige Kryptoportikus folgte2. Den nördlichen Stadtzugang bildete das dreibogige Nordtor, dessen mittlerer Durchgang die Straße nach Novaesium – dem heutigen Neuss – aufnahm3.

Niedergang und Nachleben

Im Jahre 274 wurde Köln erstmals von Germanen überfallen und verwüstet. Um 310 ließ Kaiser Konstantin auf der rechten Rheinseite das Castellum Divitia errichten und durch eine feste Holzbrücke auf steinernen Pfeilern mit der Stadt verbinden. Auch nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft wirkte der Name fort: Während 'Claudia' und 'Ara' zunehmend verblassten, setzte sich seit dem frühen Mittelalter die Kurzform 'Colonia' durch, die schließlich zu 'Köln' verschliffen wurde4.

Sichtbare Spuren der CCAA finden sich heute über die gesamte Altstadt verteilt. Der östliche Seitendurchgang des Nordtores wurde 1892 beim Abriss der Domkurie wiederentdeckt und steht heute leicht erhöht und versetzt auf der Domplatte an der Ecke Unter Fettenhennen/Trankgasse; auf seiner Landseite sind die Buchstaben CCAA eingemeißelt3. Der rekonstruierte Mittelbogen ist im Römisch-Germanischen Museum zu sehen3. Vom Forum hingegen ist im Stadtbild kaum noch etwas erhalten – ein großer Block aus opus caementitium kann im Untergeschoss des Bekleidungsgeschäfts in der Schildergasse 60–68 besichtigt werden2.

Dieses Thema greifen wir auch in den Stadtführungen Die Römer in Köln und Drunter und Drüber auf.

Quellen

  1. Die römischen Stadtmauern von Köln. Zeichen einer dynamischen Stadtentwicklung | Portal Rheinische Geschichte

    Aufgrund des Fundmaterials aus den etwa 6 Meter hohen Anschüttungen am älteren Ubiermonument konnte der Bau der rheinseitigen Stadtmauer in die Jahre um 80/85 n. Chr. datiert werden. Möglicherweise ging die Initiative sogar auf ihn selbst zurück, da unter seiner Herrschaft das römische Köln zur Provinzhauptstadt von Niedergermanien erhoben wurde.

  2. Römisches Forum Köln | Objektansicht

    Das Forum des römischen Köln erstreckte sich über eine Fläche von vier insulae, das entspricht einer Ausdehnung von ungefähr 180 x 180 Meter. Es lag im östlichen Teil der Stadt, an der Kreuzung der beiden Hauptachsen, des cardo maximus und des decumanus maximus. Im Westen errichtete man als Abschluss eine Ringportikus mit 141 Meter Außen- und 111 Meter Innendurchmesser.

  3. Nordtor des römischen Köln | Objektansicht

    Das Nordtor war ursprünglich eine dreibogige Anlage. In der Mitte verlief die Straße, die nordwärts nach Novaesium / Neuss führte, die seitlichen Durchgänge waren für die Fußgänger gedacht. Auf der Landseite sind die Buchstaben CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) eingemeißelt. 1892 beim Abriss der Domkurie wurde der östliche Seitendurchgang (wieder-)entdeckt.

  4. AGRIPPINA – Forum für kölnische Stadtgeschichtsforschung

    Köln trug in der Antike den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Dieser Name geht auf die römische Kaiserin Iulia Agrippina, auch Agrippina die Jüngere genannt, zurück. Sie war die Mutter Neros, Frau des Kaisers Claudius und wurde in der Ubiersiedlung am Rhein geboren, die sie 50 n. Chr. zur Stadt erheben ließ. Die Kurzform (Colonia) Agrippina ist seit der Antike als Stadtname belegt.

Weitere Bereiche