Der Alter Markt in Köln

Der Alter Markt in Köln mit Rathaus und Rathausturm, im Hintergrund der noch unvollendete Dom; Stahlstich von Adolphe Rouargue um 1850
Adolphe & Émile Rouargue, Stahlstich des Alter Markts um 1850 (Kölnisches Stadtmuseum) – gemeinfrei (Public Domain), via Wikimedia Commons

Der Alter Markt zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Plätzen der Kölner Innenstadt. 2 Als mercatus coloniae wurde er im Jahr 922 erstmals urkundlich erwähnt und gehört damit zu den frühesten belegten Marktplätzen der Stadt.1 Eingebettet zwischen dem erhöht liegenden Historischen Rathaus im Westen und der Altstadt am Rhein im Osten verbindet er heute mittelalterliche Stadtgeschichte mit kölschem Brauchtum.1

Vom Rheinarm zum Marktplatz

Das Gelände des heutigen Alter Markts gehörte ursprünglich zu jenem rheinseitig vorgelagerten Areal, das in römischer Zeit von einem Seitenarm des Rheins durchflossen wurde. Erst nach der Aufgabe des römischen Hafens im 3. Jahrhundert und der allmählichen Verlandung dieses Rheinarms konnten die Plätze Alter Markt und Heumarkt überhaupt entstehen.1 Eingegliedert in den Stadtbereich wurde das Marktviertel im Zuge der Erweiterungen unter Erzbischof Brun um die Mitte des 10. Jahrhunderts, als die Siedlungen der bislang außerhalb der Mauern liegenden Rheinvorstadt der Stadt zugeschlagen wurden.2

Um 1075 entstanden durch eine stadträumliche Abtrennung schließlich die beiden Platzanlagen Heumarkt und Alter Markt als getrennte Märkte nebeneinander.3 Damit bildete sich am Fuß des Rathaushügels jenes zusammenhängende Marktviertel mit hoher Einwohnerdichte heraus, von dem aus sich das städtische Marktgeschehen Kölns über Jahrhunderte hinweg entfaltete.2

Handel, Turniere und Pranger

Im Spätmittelalter entwickelte sich der Alter Markt zu einem vielseitig genutzten Platz. Im 15. Jahrhundert diente er als Turnierplatz und zugleich als Standort des Prangers; verkauft wurden hier vor allem Obst und Butter.1 Auf den mittelalterlichen Großmärkten Kölns insgesamt wurden vor allem Lebensmittel, Wein und Getreide umgesetzt, abgesichert durch das der Stadt 1259 verliehene Stapelrecht, das die Kaufleute zwang, alle über Köln und den Rhein transportierten Waren den Kölner Bürgern drei Tage lang zum Kauf anzubieten.2

Die westliche Kulisse des Platzes bildete schon im Mittelalter das auf höherem Niveau gelegene Rathaus, an dessen Ostflanke der Markt unmittelbar anschloß.1 Davon zeugt bis heute auch eine steinerne Wasserpumpe an der Südseite des Platzes vor dem Haus Nummer 20-22, die bereits auf einem Stahlstich von Adolphe Rouargue um 1850 zu sehen ist und daran erinnert, daß die Marktplätze der Stadt zugleich als Waschplätze dienten, an denen Hausfrauen und Lohnwäscherinnen ihre Wäsche reinigten.5

Jan von Werth und der Kallendresser

In der Platzmitte wurde 1884 ein Brunnen mit Denkmal errichtet, der an einen Volkshelden Kölns erinnert: den Reitergeneral Jan von Werth (1591-1652), der im Dreißigjährigen Krieg in bayerischen Diensten kämpfte.1 Eine zweite Kölner Eigenheit findet sich am Haus Alter Markt Nr. 24 in lichter Höhe: der sogenannte Kallendresser, eine im kölschen Brauchtum verwurzelte Figur, die ihre Notdurft in der Regenrinne – der Kall – verrichtet und dabei ihre bläcke Fott, das nackte Gesäß, herausstreckt.4 Die Steinfigur selbst ist ein Werk des Bildhauers Ewald Mataré (1887-1965), auf den in Köln auch die Türen des Südportals des Doms sowie der Taubenbrunnen auf der Domplatte zurückgehen.4

Heutiger Bezug

Nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde der Alter Markt wieder aufgebaut und blieb ein lebendiger Schauplatz Kölner Festkultur. Am ersten Wochenende im Juli findet hier jedes Jahr das Straßenfest zum ColognePride statt, das sich über Alter Markt, Heumarkt und den Bereich vor dem Gürzenich erstreckt.1 Auch der Karneval und der den Heinzelmännchen gewidmete Weihnachtsmarkt prägen den Platz und halten die jahrhundertealte Tradition als Versammlungsort der Kölner lebendig.

Dieses Thema greifen wir auch in den Stadtführungen Kölner Stadtgeschichte , Köln kompakt und Besondere Plätze in der Altstadt auf.

Quellen

  1. Alter Markt in Altstadt-Nord (KuLaDig)

    Im 15. Jahrhundert war der Alter Markt Turnierplatz und Standort des Prangers. Hier wurde Obst und Butter verkauft. Der auf der Platzmitte 1884 erbaute Brunnen mit Denkmal erinnert an einen Volkshelden Kölns: den Reitergeneral Jan von Werth (1591-1652), der im Dreißigjährigen Krieg in bayerischen Diensten kämpfte.

  2. Historische Märkte in Köln (KuLaDig)

    Eine Kölner Besonderheit war das hiesige Stapelrecht – ein der Stadt 1259 gewährtes Vorkaufsrecht, welches die Kaufleute zwang, alle über die Stadt und den Rhein transportierten Waren den Kölner Bürgern für drei Tage zum Kauf anzubieten.

  3. Heumarkt in Altstadt-Nord (KuLaDig)

    Um 1075 entstanden durch eine stadträumliche Abtrennung die beiden Platzanlagen Heumarkt und Alter Markt.

  4. Steinfigur Kallendresser am Haus Alter Markt 24 (KuLaDig)

    An dem Haus Alter Markt Nr. 24 befindet sich in lichter Höhe der Kallendresser, eine im kölschen Brauchtum verwurzelte Figur, die hier ihre Notdurft in der Regenrinne – der Kall – verrichtet und dazu seine bläcke Fott – das nackte Gesäß – herausstreckt. Die Steinfigur selbst ist ein Werk des Bildhauers Ewald Wilhelm Hubert Mataré (1887-1965).

  5. Wasserpumpe und Waschplatz auf dem Alter Markt (KuLaDig)

    Auf dem Alter Markt steht im Süden vor dem Haus Nr. 20-22 eine steinerne Wasserpumpe. Ihr Alter ist unbestimmt, doch ist sie bereits deutlich auf dem Stahlstich von Adolphe Rouargue von um 1850 zu sehen, wo die säulenartige Pumpe von Wäsche waschenden Frauen umringt dargestellt ist.

Weitere Bereiche