Die mittelalterliche Kölner Stadtmauer
Die mittelalterliche Stadtmauer von Köln gehörte zu den größten und aufwendigsten Befestigungsanlagen des hochmittelalterlichen Europas. Sie umschloss in einem weiten Halbkreis vom Bayenturm im Süden bis zum Kunibertsturm im Norden die rasch wachsende Rheinmetropole und prägte das Stadtbild über siebenhundert Jahre. 1 Erst der Abbruch ab 1881 setzte ihrer Verteidigungsfunktion ein Ende und machte den Weg für die Neustadt und die Kölner Ringe frei.3
Vorgängerbauten und Anlass des Neubaus
Die staufische Mauer war keineswegs die erste Befestigung der Stadt. Sie stellte – je nach Zählweise – bereits das vierte derartige Bauwerk dar und löste eine Reihe römischer und frühmittelalterlicher Anlagen ab.1 Schon im 11. Jahrhundert sicherte zwischen Dom und Rheinufer ein Wall mit Graben das Stadtgebiet. Durch eine solche Lücke in der älteren Befestigung – das spätere Annoloch – floh Erzbischof Anno II. 1074 nachts während des Kölner Bürgeraufstandes nach Neuss.4
Der eigentliche Mauerbau begann um 1180, im Zuge der dritten Stadterweiterung. In den Annalen von St. Gereon ist das Jahr 1200 als zentrales Baudatum überliefert, das auch in der Forschung weitgehend akzeptiert wird, wenngleich gelegentlich frühere Datierungen kursieren.1
Verlauf, Tore und Dimension
Die Mauer umschloss am Ende der dritten Erweiterung eine Siedlungsfläche von rund 401 Hektar und machte Köln damit zur flächengrößten Stadt des Reiches.2 In den ringförmigen Mauerzug waren zwölf große Torburgen eingebunden – vom Kunibertsturm im Norden über das Eigelstein-, Gereons-, Friesen-, Hahnen- und Severinstor bis zum Bayenturm am Rhein.
Die außerordentlich groß dimensionierten Tore wurden, wie stilkritische Untersuchungen zeigten, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Tore und Mauer entstanden jedoch nicht im Verband miteinander, sodass die Datierung der Tortürme nicht zwingend auf die Mauer selbst übertragbar ist.1 Die Severinstorburg auf dem heutigen Chlodwigplatz entstand aus Tuff- und Basaltstein in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, sicherte die Ausfallstraße nach Bonn und galt als herausragendes Beispiel mittelalterlicher Befestigungsbaukunst.2
Funktion und spätere Schleifung
Die Mauer schützte Köln über Jahrhunderte vor äußeren Angriffen, bildete die Grenze des städtischen Rechtsbezirks und blieb selbst nach dem Bau der barocken bastionären Umwallung im Hintergrund präsent. Nach dem Einzug der Preußen 1815 wurde sie als rückwärtige zweite Verteidigungslinie in die neue innere preußische Wallanlage einbezogen.3 Doch das rasche Wachstum der Stadt und der steigende Flächenbedarf besiegelten ihr Schicksal: 1881 wurden die innere preußische Wallanlage und die mittelalterliche Mauer geschleift, das gewonnene Baumaterial verkauft.3
Spuren im heutigen Stadtbild
Erhalten blieben markante Reste: die Eigelsteintorburg im Norden, die Hahnentorburg am Rudolfplatz, die Ulrepforte mit dem Mauerstück am Sachsenring sowie die Severinstorburg im Süden. Letztere beherbergte nach der Schleifung zunächst ein Naturkunde- und später ein Hygienemuseum.2 Der Verlauf der einstigen Mauer lässt sich heute noch sehr gut an der ringförmigen Anordnung und den Namen der Kölner Ringe nachvollziehen und bleibt damit deutlich im Stadtbild ablesbar.3 Auch das Annoloch westlich der Kathedrale wurde beim Bau einer Tiefgarage gegenüber dem Excelsior Hotel Ernst wieder freigelegt und ist als Relikt der frühen Stadtbefestigung zugänglich.4
Dieses Thema greifen wir auch in der Stadtführung Wie Köln sich wandelt auf.
Quellen
- Die Kölner Stadtmauer um 1200 – Portal Rheinische Geschichte
Die große stauferzeitliche Stadtmauer der Stadt Köln, um die es in dieser Untersuchung gehen soll, war keineswegs deren erste Befestigung. Vielmehr stellte sie das – je nach Betrachtungsweise – vierte derartige Bauwerk dar. Zentral sind hier hingegen die oben diskutierten Annalen aus St. Gereon, die glaubwürdig das Jahr 1200 nennen.
- Severinstorburg in Altstadt-Süd – KuLaDig
Die mächtige Severinstorburg auf dem heutigen Chlodwigplatz wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut und war Teil der mittelalterlichen Stadtmauer Kölns. Die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der dritten Kölner Stadterweiterung aus Tuff- und Basaltstein errichtete Severinstorburg gilt als herausragendes Beispiel der Befestigungsbaukunst des Mittelalters.
- Innere preußische Wallanlage mit mittelalterlicher Stadtmauer der Festungsstadt Köln – KuLaDig
Im Jahre 1881 wurde die innere preußische Wallanlage und die Mauer geschleift und die verwendeten Baumaterialien verkauft. Der Verlauf der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer lässt sich heute noch sehr gut an der ringförmigen Anordnung sowie der Benennung der Straßen in dem Bereich nachvollziehen und ist daher noch heute eindeutig im Stadtbild Kölns zu identifizieren.
- Annoloch in der Kölner Stadtmauer – KuLaDig
Anno konnte sich dem Aufstand der Kölner Bürgerschaft nur mit Mühe entziehen und sein Leben vor der erregten Masse retten, indem er des Nachts durch einen eigens dafür gegrabenen kleinen Durchlass in der Stadtbefestigung mit ein paar Getreuen unentdeckt aus der Domstadt nach Neuss entkam.