Die Schlacht von Worringen 1288

Herzog Johann I. von Brabant, der Sieger der Schlacht von Worringen, in einer Buchmalerei des Codex Manesse (um 1305–1315)
Codex Manesse (um 1305–1315), Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 18r – gemeinfrei (Public Domain), via Wikimedia Commons

Am 5. Juni 1288 trafen auf der Fühlinger Heide nördlich von Köln zwei Heere aufeinander, deren Aufeinandertreffen als eine der größten Schlachten des deutschen Mittelalters galt1. Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg und seine Verbündeten, die Grafen von Geldern und Luxemburg, unterlagen dem jungen Herzog Johann I. von Brabant und dessen Alliierten, den Grafen von Berg, Jülich und Mark sowie der Stadt Köln2. Für Köln markierte der Tag den entscheidenden Schritt aus der erzbischöflichen Stadtherrschaft.

Hintergrund: Der Limburger Erbfolgestreit

Auslöser des Konflikts war ein Streit um die Erbnachfolge im Herzogtum Limburg, einer mächtigen Herrschaft am Niederrhein, auf das die Grafen Reinald von Geldern und Adolf von Berg gleichermaßen Besitzansprüche erhoben. Auf der einen Seite standen Reinald von Geldern und Erzbischof Siegfried von Westerburg, auf der anderen Graf Adolf von Berg, Herzog Johann von Brabant und die Kölner Bürger. Für die Kölner Bürgerschaft, die sich seit dem späten 11. Jahrhundert in langwierigen Auseinandersetzungen gegen ihren Stadtherrn behauptete, war ein Sieg des Erzbischofs das Ende der mühsam errungenen Freiheiten gewesen2. Ein zusätzlicher Anlass für den Beitritt Kölns war, dass der Erzbischof die Befestigung von Worringen nicht zerstört hatte, wie er am 29. November 1276 feierlich gelobt hatte; die Kölner sahen darin nicht zu Unrecht eine gegen ihren Handel gerichtete Zwingburg.

Der Tag der Schlacht

Vom 29. Mai bis zum 5. Juni belagerten die Verbündeten Worringen, wobei ein großes Truppenkontingent der Kölner Bürger das brabantische Heer mit Belagerungs- und Schleudermaschinen unterstützte1. Die Truppen des Erzbischofs sammelten sich bei Neuss und lagerten in der Nacht zum 5. Juni in Brauweiler1. Das Gefecht auf der Fühlinger Heide umfasste etwa 9.000 Panzerreiter und Fußvolk und stand zwischen den Koalitionen des Herzogs von Brabant mit den Grafen von Berg, von der Mark und Jülich sowie einem großen Kontingent der Kölner Bürgerschaft und der Partei des Erzbischofs mit den Grafen von Geldern und Luxemburg3. Den vermutlich entscheidenden Kampf stellte der Sieg der brabantischen Ritter über die luxemburgische Reiterei dar1. Siegfried von Westerburg nahm persönlich am Kampf teil und geriet mit vielen anderen in die Hände seiner Feinde; Graf Adolf ließ ihn nach Monheim und am nächsten Tag auf Schloss Burg an der Wupper bringen, wo er bis zum 6. Juli 1289 in Haft blieb.

Folgen für Köln

Die Niederlage hatte weitreichende Folgen: Der auf Herzogsgewalt und Kölner Lehnshof gegründete kölnische Anspruch auf Vorherrschaft am Rhein war sichtbar gescheitert2. Die Sühne zwischen dem Erzbischof und der Stadt wurde am 18. Juni 1289 vereinbart; Siegfried verzichtete auf jeden Schadenersatz unter Vorbehalt aller Besitzungen und Gefälle, die ihm nach der Schlacht innerhalb Kölns entzogen worden waren. Die Kölner Bürgerschaft schüttelte durch den Sieg die erzbischöfliche Stadtherrschaft ab und erkämpfte sich de facto die Reichsfreiheit, die aber erst 1475 auch de iure anerkannt wurde3. Ebenfalls infolge der Schlacht erhielt das sich seinerzeit noch zögerlich zur bergischen Hauptresidenzstadt entwickelnde Düsseldorf am 14. August 1288 die Stadtrechte verliehen, verbunden mit dem Privileg, Wall und Graben anlegen zu dürfen3.

Erinnerung

Angesichts der überragenden Bedeutung, die der Schlacht für die Entwicklung der Stadt Köln oftmals beigemessen wird, überrascht der Blick auf ihre innerstädtische Resonanz: Kein auch nur ansatzweise zeitgenössischer Kölner Bericht über Worringen ist bekannt1. An die Schlacht erinnert heute ein Denkmal in der Ortsmitte von Köln-Worringen mit der Inschrift, sie sei ein Markstein im Kampf der Kölner Bürger um ihre Unabhängigkeit gewesen1. Auch die bis heute gepflegte Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf wird auf diese Schlacht zurückgeführt.

Dieses Thema greifen wir auch in den Stadtführungen Köln im Mittelalter , Kölner Stadtgeschichte und Köln kompakt auf.

Quellen

  1. Die Schlacht von Worringen 1288 | Portal Rheinische Geschichte

    Am 5.6.1288 kam es auf der Fühlinger Heide nördlich von Köln zu einem Aufeinandertreffen, das als eine der größten Schlachten des deutschen Mittelalters gilt.

  2. 1288 bis 1521 - Die Rheinlande im Spätmittelalter | Portal Rheinische Geschichte

    Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg und seine Verbündeten, die Grafen von Geldern und Luxemburg, unterlagen dem jungen Herzog Johann I. von Brabant und dessen Alliierten, den Grafen von Berg, Jülich und Mark sowie der Stadt Köln.

  3. Stadtteil Köln-Worringen | KuLaDig

    Das Gefecht mit etwa 9.000 Panzerreitern und Fußvolk fand auf der Fühlinger Heide zwischen den Koalitionen des Herzogs von Brabant (u.a. im Verein mit den Grafen von Berg, von der Mark und Jülich sowie einem großen Kontingent der Kölner Bürgerschaft) und der Partei des Erzbischofs Siegfried von Westerburg mit seinen Verbündeten Grafen von Geldern und Luxemburg statt.

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