Der Wiederaufbau Kölns nach 1945

Der Kölner Dom überragt 1945 die Trümmer der zerstörten Innenstadt; Luftaufnahme der US-Streitkräfte
US-Luftaufnahme 1945, National Archives and Records Administration (NARA 531287), via Wikimedia Commons – gemeinfrei (US-Behördenwerk)

Als die amerikanischen Truppen im März 1945 das linksrheinische Köln einnahmen, war von der einstigen Millionenstadt am Rhein kaum mehr übrig als eine Trümmerwüste. Über 90 Prozent der Bewohner hatten das Stadtgebiet verlassen, waren evakuiert, geflohen oder umgekommen. Köln galt damals neben Dresden, Hamburg und Berlin als eine der am stärksten zerstörten deutschen Großstädte. Der Wiederaufbau, der in dieser Stunde Null begann, sollte Jahrzehnte beanspruchen und das Stadtbild Kölns grundlegender prägen als jede Epoche zuvor.

Ausgangslage 1945

Insgesamt 262 Bombenangriffe waren auf die Stadt niedergegangen, die im Dezember 1944 nur noch 178.000 Einwohner zählte – gegenüber 770.000 vor dem Krieg3. Rund 20.000 Zivilisten waren bei den Luftangriffen umgekommen3. Die Versorgung mit Strom und Wasser war zusammengebrochen, die Straßen waren weitgehend unpassierbar, und die Entschuttung galt als unabdingbare Voraussetzung für jeden Wiederaufbau3. Die Kölner Militärregierung unter Oberstleutnant John K. Patterson bezog am 9. März 1945 ihr Quartier im Haus Kaiser-Wilhelm-Ring 2, das damit für einige Monate zum Zentrum der Stadt wurde. Erste sichtbare Fortschritte zeigten sich im öffentlichen Verkehr: Im Juni 1945 verkehrten im linksrheinischen Köln wieder die ersten städtischen Straßenbahnen.

Rudolf Schwarz und der Generalplan

Um den Wiederaufbau planerisch zu ordnen, wurde der Architekt Rudolf Schwarz zum 1. November 1946 zum Generalplaner für den Wiederaufbau der Stadt Köln berufen2. Bis März 1952 verantwortete er den Städtebau Kölns und entwarf das Leitbild einer „lebendig durchbauten Landschaft", die sich um zwei Pole gruppieren sollte: die alte ehrwürdige „Hochstadt" mit Verwaltung, Bildung und Kirchen sowie eine neue, werktätige Stadt der Arbeit im Norden1. Seine theoretischen Grundlagen hatte er zuvor in der 1949 erschienenen Schrift „Von der Bebauung der Erde" gelegt4. Im Masterplan versuchte Schwarz, die Hierarchisierungen des historischen Stadtkörpers über den bloßen Verkehrsplan hinaus zu bewahren4. Gegen widerstreitende Interessen konnte er sich nicht in allen Belangen durchsetzen, doch gelang es ihm, die überlieferte städtische Grundrissstruktur zu erhalten und die Veedel als gewachsene Quartiere zu bewahren2.

Brücken, Kirchen und Profanbauten

Parallel zur Stadtplanung lief der Wiederaufbau der Infrastruktur. Schwarz baute in seiner Kölner Tätigkeit über dreißig Kirchen wieder auf, errichtete sie neu oder gestaltete sie um2. Allein in der Domstadt entstanden unter seiner Leitung oder Beteiligung der Wiederaufbau von Sankt Mechtern in Ehrenfeld (1947 bis 1954), Sankt Heribert in Deutz (1949 bis 1951) sowie die wiedererrichtete Kapelle Kalk (1950 bis 1952)2. Auch das Festhaus Gürzenich, die „gute Stube" der Stadt, wurde zwischen 1949 und 1955 gemeinsam mit Karl Band wiederhergestellt, und von 1950 bis 1958 entstand mit dem Wallraf-Richartz-Museum der erste Museumsneubau der Bundesrepublik1.

Schwierige Jahre und langes Erbe

Allen Fortschritten zum Trotz blieb das Alltagsleben beschwerlich. Das öffentliche Leben nahm zwar langsam, aber kontinuierlich an Fahrt auf, bevor es in den Hungerjahren 1946 bis 1948 nochmals zu schweren Rückschlägen kam. Erst mit dem Programm „Das neue Köln", das Schwarz 1950 publizierte, gewann die Wiederaufbauplanung eine breitere Öffentlichkeit4. Schwarz selbst lebte ab 1956 zusammen mit seiner Ehefrau Maria in einem gemeinsam geplanten Wohn- und Atelierhaus am Lövenicher Weg in Köln-Müngersdorf, wo er 1961 im Alter von 63 Jahren starb und auch sein Grab fand2. Sein Werk prägt das Kölner Stadtbild bis heute: Gürzenich, Wallraf-Richartz-Bau an der Rechtschule und zahlreiche wiederaufgebaute Kirchen erinnern an die Stunde Null, aus der Köln in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder zur Großstadt wurde.

Dieses Thema greifen wir auch in den Stadtführungen Wie Köln sich wandelt und Architektur der 1950er-Jahre auf.

Quellen

  1. Rudolf Schwarz | Portal Rheinische Geschichte

    Zwischen 1946 und 1952 leitete er als Generalplaner den Wiederaufbau der Stadt Köln. Die neue Großstadt sollte 'lebendig durchbaute Landschaft' sein und sich um zwei Pole gruppieren: die alte ehrwürdige 'Hochstadt' mit ihren zentralen Aufgaben in Verwaltung, Bildung, 'Hoheit' und 'Anbetung' sowie eine neue, werktätige Stadt der Arbeit im Norden. Er errichtete Maßstäbe setzende Kulturbauten in Köln: das Veranstaltungshaus Gürzenich zwischen 1949 und 1955 gemeinsam mit Karl Band sowie das Wallraf-Richartz-Museum von 1950 bis 1958 mit Josef Bernard, als ersten Neubau eines Museums in der Bundesrepublik.

  2. Spuren des Architekten Rudolf Schwarz im Rheinland | KuLaDig

    Zum 1. November 1946 wurde Rudolf Schwarz zum Generalplaner für den Wiederaufbau der Stadt Köln. In dieser Funktion (bis 1950/52) baute er über dreißig Kirchen wieder auf, baute sie neu oder gestaltete sie um. Unter Schwarz' Leitung oder Beteiligung erfolgten alleine in der Domstadt der Wiederaufbau der Kirchen Sankt Mechtern in Ehrenfeld (1947/54), Sankt Heribert in Deutz (1949/51), der Wiederaufbau der Pfarrkirche und Neubau der Kapelle Kalk (1950/52) und der Wiederaufbau des Festhauses Gürzenich. Seit 1956 lebte er in einem Wohn- und Atelierhaus am Lövenicher Weg in Köln-Müngersdorf, wo Rudolf Schwarz im Alter von 63 Jahren starb.

  3. Die Nachkriegszeit in Köln am Beispiel des Vorortes Höhenhaus | Portal Rheinische Geschichte

    Bis März 1945 hatte die Kölner Bevölkerung insgesamt 1.122 Fliegeralarme zu erdulden, wobei mindestens 20.000 Zivilpersonen starben. Infolge der Bombenangriffe mussten viele ihre Heimatstadt verlassen, sodass im Dezember 1944 in Köln nur noch 178.000 Menschen von ehemals 770.000 lebten. Die Versorgung mit Strom und Wasser war zusammengebrochen, die Straßen weitgehend unpassierbar. Entschuttung und Wegräumen der Trümmer in der Stadt waren unabdingbare Voraussetzung für einen Wiederaufbau.

  4. Schwarz, Rudolf - Deutsche Biographie

    'Von der Bebauung der Erde' (1949) wurde zur Grundlage für S.s spätere Tätigkeit als Stadtplaner beim Wiederaufbau von Köln (Okt. 1946–März 1952). In seinem Masterplan versuchte er, die Hierarchisierungen des historischen Stadtkörpers über den bloßen Verkehrsplan hinaus zu bewahren. Schriften: Das neue Köln, 1950.

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