Die Vollendung des Kölner Doms 1880
Am 15. Oktober 1880 wurde der Kölner Dom nach mehr als 600 Jahren Bauzeit offiziell vollendet. Die Feier in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. setzte den Schlusspunkt unter ein Großprojekt, das 1248 begonnen, um 1560 unterbrochen und 1842 wieder aufgenommen worden war. Mit den beiden über 157 Meter hohen Türmen war die Kathedrale zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung das höchste Bauwerk der Welt.
Der Weg zur Vollendung
Die zweite Bauphase begann 1842 mit der Grundsteinlegung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., dem der Bau in erster Linie als deutsches Nationaldenkmal galt. Die Bauarbeiten unter den Dombaumeistern Ernst Friedrich Zwirner und Richard Voigtel konzentrierten sich zunächst auf Lang- und Querhaus, ehe ab Mitte der 1860er Jahre die Fertigstellung der Türme folgte. Finanziert wurde der Weiterbau nicht allein vom König: Bereits 1842 gründeten Kölner Bürger den Zentral-Dombau-Verein, der am Ende rund 60 Prozent der für die Domvollendung nötigen Gelder aufbrachte. Mit der 1864 eingerichteten Domlotterie konnte die Dombauhütte schließlich bis zu 500 Steinmetze beschäftigen und moderne Bautechnik einsetzen, darunter Windenwagen auf Eisenbahnschienen und eine Dampfmaschine zur Förderung der Werksteine.
Streit um den Festtag
Als sich gegen Ende 1879 mit dem Emporwachsen der beiden Domtürme die baldige Vollendung der Kathedrale abzeichnete, war die politische Situation im Deutschen Reich angespannt — der Kulturkampf hatte seinen Höhepunkt zwar überschritten, doch blieb unklar, welche Haltung die Katholiken einnehmen würden1. Der Dombauverein hatte als Festtermin den 15. August 1880 vorgesehen, in Anlehnung an die mittelalterliche Grundsteinlegung von 1248. Doch Anfang Juni 1880 erreichte den Verwaltungsausschuss ein Brief des rheinischen Oberpräsidenten Bardeleben mit der Mitteilung, dass Kaiser Wilhelm I. zum Zeitpunkt der Dombaufeier noch keine Entscheidung getroffen habe; daraufhin wurden alle Vorbereitungen zunächst gestoppt1. Schließlich setzte der Kaiser per Kabinettsorder den 15. Oktober 1880 als Feiertag fest — den Geburtstag seines verstorbenen Bruders Friedrich Wilhelm IV.
Das Vollendungsfest und seine Inszenierung
Der Konflikt zwischen preußischen Behörden und rheinischen Katholiken spitzte sich zu, als das Domkapitel vorsorglich von den Festvorbereitungen ausgeschlossen wurde1. In mehreren Versammlungen einigten sich die Kölner Katholiken auf eine würdige Zurückhaltung gegenüber den Feierlichkeiten, also auf den Verzicht offen zur Schau gestellter Opposition, war doch die Vollendung des Doms auch ihr Ziel gewesen1. Nach allen Querelen im Vorfeld verlief das Vollendungsfest am 15. und 16. Oktober 1880 schließlich programmgemäß und ohne Zwischenfälle1. Die Einweihung des vollendeten Kölner Doms in Gegenwart Kaiser Wilhelms I. stand zugleich im Zeichen einer Annäherung zwischen preußischem Staat und katholischer Kirche im ausklingenden Kulturkampf3.
Nach der 1871 erfolgten Reichsgründung sollten über das damals höchste Gebäude der Welt die Einigkeit und Größe Deutschlands demonstriert werden2. Die Festlichkeiten dienten den Hohenzollern auch der Aneignung einer Tradition, in der der Rhein eine zentrale Achse des mittelalterlichen Reiches gewesen war2.
Nach dem Fest
Mit der offiziellen Vollendung 1880 waren die Arbeiten am Dom keineswegs beendet: Nachbesserungen, der Abbau der Gerüste und vor allem die Vollendung der Ausstattung zogen sich noch gut 20 Jahre hin. Heute überragt der Dom mit 157,22 Metern Turmhöhe weiterhin das Stadtbild und bleibt das Wahrzeichen Kölns — gepflegt durch die Dombauhütte und finanziell getragen vom Zentral-Dombau-Verein, dessen Wurzeln in jene Jahre der Vollendung zurückreichen.
Dieses Thema greifen wir auch in den Stadtführungen Kölner Stadtgeschichte , Köln kompakt , Im Herzen Kölns und Architektur und Kunst im Blick auf.
Quellen
- Der Kölner Zentral-Dombauverein im 19. Jahrhundert | Portal Rheinische Geschichte
Die Planungen wurden allerdings jäh gestoppt, als den Verwaltungsausschuss Anfang Juni 1880 ein Brief des rheinischen Oberpräsidenten Bardeleben erreichte. Darin wurde mitgeteilt, dass Kaiser Wilhelm I. zur Frage der Dombaufeier noch keine Entscheidung getroffen habe. Nach allen Querelen im Vorfeld verlief das Vollendungsfest selbst am 15. und 16.10.1880 programmgemäß und ohne Zwischenfälle.
- Kölner Dom - Zweite Bauperiode (1842-1880) | Objektansicht
Nach der 1871 erfolgten Neugründung des Reichs sollten nun erst recht über das seinerzeit höchste Gebäude der Welt die Einigkeit und Größe Deutschlands demonstriert werden. Die Festlichkeiten dienten den Hohenzollern nicht zuletzt der Aneignung einer Tradition, in der der Rhein eine zentrale Achse des mittelalterlichen Reiches gewesen war.
- Zeittafel 1880 | Portal Rheinische Geschichte
Einweihung des vollendeten Kölner Doms in Gegenwart Kaiser Wilhelms I. 1842 war der Dombau wieder aufgenommen worden. Die Einweihung stand auch im Zeichen einer Annäherung zwischen preußischem Staat und katholischer Kirche im ausklingenden Kulturkampf.